Expertenbeitrag

5 Tipps für mehr Resilienz in der Krise

Es ist März im Jahr 2022 und es herrscht Krieg auf europäischem Boden. Mutige Journalistinnen und Zivilistinnen sowie soziale Netzwerke ermöglichen uns, den Krieg beinahe in Echtzeit mitzuerleben. Das beschäftigt uns, nimmt uns mit – und nicht selten lähmt es uns. Hier sind fünf Tipps, um die Resilienz zu stärken.

1. Seriöse Quellen nutzen

Wir müssen nicht als erste die neuesten Informationen sammeln. Wer auf Twitter die Nachrichten aus der Ukraine in Echtzeit verfolgt, stößt regelmäßig auf unbestätigte Informationen, Videoschnipsel und Fotos. Das ist nicht immer hilfreich und kann bei fehlender kritischer Einschätzung zu vorschnellen Schlüssen führen. Beispiele dafür sind die vermeintliche Bombardierung des Hauptbahnhofs in Kyiv, der sich als Kollateralschaden einer abgeschossenen russischen Rakete herausstellte, und der vermeintliche Brand der größten Atomstromanlage Europas, von dem „lediglich“ ein Ausbildungsgebäude betroffen war. Um das zu vermeiden, helfen seriöse Nachrichten. Die Qualität und Pluralität der deutschen Medienlandschaft ist – auch im internationalen Vergleich – vorbildlich. Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten verbringen den gesamten Tag damit, Informationen zu sammeln und zu verifizieren. Sie ordnen Informationen ein und sind in aller Regel verlässlich. So helfen sie uns, in diesen Zeiten den Überblick zu bewahren.

2. Zeitfenster zur Information festlegen

Wir alle kennen den ständigen Blick aufs Handy, um die neuesten Entwicklungen in der Ukraine zu verfolgen. Das stört nicht nur die Konzentration, sondern kann auch psychische Belastungen nach sich ziehen. Sind wir ehrlich: Es ändert nichts, die Informationen live zu verfolgen. Das Festlegen von Zeitfenstern, in denen wir uns informieren, hilft uns, Struktur im Alltag aufrecht zu erhalten – und es ist ein Anreiz, dann primär auf seriöse Quellen und kompakte Nachrichten zurückzugreifen. Wissenschaftlerinnen der Charité haben im Rahmen der Covid-19-Pandemie herausgefunden, dass uns ein übermäßiger Konsum schlechter Nachrichten psychisch krankmacht. Es ist okay, Pausen einzulegen und andere Gedanken zuzulassen.

3. Push-Nachrichten deaktivieren – mit einer Ausnahme

Um den Nachrichtenkonsum zu regulieren, sollte man die Push-Nachrichten deaktivieren, die den Blick immer wieder aufs Smartphone lenken. Die so geschaffenen Pausen helfen, den Kopf ruhen zu lassen. Mit Blick auf die Kämpfe um Tschernobyl und die größte Atomkraftanlage Europas sind die Sorgen vor akuten Auswirkungen auf unser Leben berechtigt. Klar möchte man darüber schnell informiert sein. Hier hilft die NINA-App, die im Katastrophenfall Push-Nachrichten schickt und die sich jede/r auch unabhängig vom Krieg in der Ukraine herunterladen sollte.

4. Mehr Text, weniger Bilder

Bilder und Videos berühren uns und bleiben im Kopf. Auch wenn wir nichts verdrängen sollten und die Welt erfahren muss, was in der Ukraine vor sich geht, sollten wir uns auf Texte konzentrieren. Ihre Sachlichkeit hilft, die Emotionen unter Kontrolle zu behalten. Überbordende Emotionen sorgen für Stress und führen in der Folge zu einem eingeschränkten Denkvermögen. Damit ist weder uns selbst noch unserem Umfeld geholfen.

5. Zukunftsgerichtet und optimistisch denken

Es klingt banal, fast schon anmaßend und ist doch nicht selten eine aktive Entscheidung: Zukunftsgerichtetes und optimistisches Denken hilft, die Emotionen unter Kontrolle zu behalten und einen kühlen Kopf zu bewahren. Es hilft und ändert nichts, ständig zurückzublicken und sich zu fragen, wie all das passieren konnte. Denken wir in die Zukunft, fühlen wir uns besser vorbereitet auf das, was kommen könnte. Gleichzeitig verlieren die schlimmsten Szenarien einen Teil ihres Schreckens, wenn wir uns mental auf sie vorbereitet haben. Fatalismus – im Gegenteil zu Optimismus – führt zu Stress, überbordenden Emotionen und verhindert eine realistische Einschätzung der Lage. Die Maßgabe sollte sein: Auf das Schlimmste vorbereitet sein und vom Besten ausgehen.

Über den Autor

Marcel Schmidt ist Referent für Politische Kommunikation bei der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie Autor und Redakteur im Politsnack.

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