Expertenbeitrag

8 Tipps für eine gute Website

Was macht eine gute Website aus? Diese Frage wird zu oft vor allem aus einer gestalterischen und ästhetischen Perspektive betrachtet. Dann wird viel Zeit investiert, um das passende Design und die passenden Farben auszusuchen. Das Problem dabei: Der Erfolg einer Website im politischen Kontext und von Kampagnen-Websites hängt nicht (alleine und überwiegend) von den oberflächlichen Faktoren ab. Die Websitenutzerinnen und -nutzer tolerieren wahrscheinlich eher, dass nicht ihr Geschmack bei der Farbe der Buttons getroffen wurde und nicht ihre Lieblingsschrift verwendet worden ist. Sie sind aber genervt und frustriert, wenn grundlegende Angaben auf der vierten Menüebene versteckt sind oder das Kontaktformular nicht funktioniert, nicht der aktuelle Vorstand zu finden ist oder die Seitennavigation aus kryptischen Begriffen besteht und die gesamte Struktur dadurch unverständlich wirkt. Ebenso negativ auf den Erfolg wirkt es sich aus, wenn Downloads nicht funktionieren und die aktuellen Termine im letzten Jahr stattgefunden haben. Im Folgenden sollen ein Überblick über diese kritischen Erfolgsfaktoren und Empfehlungen gegeben werden, was aus technischer und rechtlicher Sicht bei einer Website zu beachten ist.

Ziele & Ressourcen ehrlich planen

Überlegen Sie sich dabei zuerst, welche Ziele Sie mit dieser Website verfolgen können. Dazu können zählen:

  1. neue Kontakte generieren;
  2. Informationen zu einem besonders wichtigen Thema in Ihrem Sinne aufbereitet zur Verfügung stellen;
  3. digitale Anlaufstelle anbieten, um Fragen zu einem bestimmten Problem oder zu einem bestimmten Projekt zu klären;
  4. eine Plattform erstellen, auf der Sie Ihre Standpunkte und Ihre Ziele dokumentieren und präsentieren können.

 

Die nachhaltige Kommunikation über die eigene Arbeit fällt nirgends leichter als auf der eigenen Website. Hier können Sie in Wort und Bild Ihre Themen und Argumente in vollem Umfang und in eigener Regie darstellen.

In einer guten Website steckt immer auch sehr viel Zeit und Energie der beteiligten Personen. Die manchmal kleinteilige Arbeit bei der Erstellung und Pflege einer Website gehört traditionell nicht zu den beliebtesten Aufgaben. Zu Beginn der Planung einer Website sollte daher auch bei allem Enthusiasmus eine ehrliche Einschätzung der vorhandenen Ressourcen vorgenommen werden, also wie viele Personen in welchem zeitlichen Umfang sich regelmäßig um die Aktualisierung der Website kümmern können und wollen.

 

Wenn schon zu Beginn absehbar ist, dass die Personaldecke dünn ist und nur wenig Zeit zur Verfügung steht, sollte bei der Website nicht der Schwerpunkt auf Aktualität gelegt werden. Besser wäre es dann, eine Website zu erstellen, die eher allgemein gültige und nicht zeitkritische Informationen bereitstellt. Im Idealfall kümmern sich mindestens zwei Personen um Updates der Website.

Content is King

Sie merken: Die Erstellung einer Website endet nicht mit der technischen Einrichtung. Erforderlich sind kontinuierliche Aktualisierungen und ein selbstkritischer Blick auf die Inhalte. “Content is King“ gilt auf jeden Fall auch für die Website.

Eine Website ist viel mehr als einfach nur eine digitale Visitenkarte. Sie kann Dreh- und Angelpunkt für eine Kampagne sein. Dafür müssen die Website und die Informationen darauf unbedingt einen entsprechenden Nutzen haben. Die allermeisten Besucher kommen mit einem spezifischen Interesse auf die Website und erwarten Antworten auf ihre Fragen.

Nehmen Sie sich also unbedingt die Zeit und überlegen, mit welchen unterschiedlichen Erwartungshaltungen Ihre verschiedenen Zielgruppen Ihre Website aufrufen und nutzen wollen. Beantworten Sie also diese Fragen: Wer sind meine Zielgruppen, mit welchem Informationsbedürfnis kommen diese auf die Website und wird dieses Informationsbedürfnis dann tatsächlich ausreichend erfüllt? Denn es wird für die Website ganz unterschiedliche Zielgruppen geben: Mitglieder, Unterstützer, Medienvertreter, Wähler etc. Sie brauchen aber keine Glaskugel, sondern Sie kennen die aktuellen Themen und Ihre zentralen Argumente und Positionen für Ihre Kandidatur, oder welche Informationen und Anleitungen Ihre Mitglieder benötigen, um sich in die Arbeit Ihrer Organisation oder Ihres Vereins einzubringen (Termine, Ansprechpartner, Aktionen).

Startseite im Fokus

In den meisten Fällen ist die Startseite der Eintrittspunkt in Ihre Website. Verschwenden Sie diesen Platz also nicht für allgemeine Begrüßungsfloskeln und der Freude darüber, dass jemand den Weg auf Ihre Website gefunden hat („Schön, dass Sie hier sind!“). Legen Sie den Fokus auf aktuelle Informationen, Hinweise auf kommende Veranstaltungen und verweisen Sie im Text auf die wichtigsten Unterseiten der Website. Stellen Sie es sich wie ein Speed-Dating mit diesem jeweiligen Nutzer vor, bei dem Sie nur ein paar Sekunden haben, um zu überzeugen und weiteres Interesse zu wecken.

 

Zentrale Informationen nicht verstecken

Verstecken Sie bitte nicht Ihre wichtigsten Argumente oder Ihr Wahlprogramm in PDF-Dokumenten. Solche Dateien können zwar hervorragend ausgedruckt werden, sorgen aber für einen gravierenden Bruch in der Kommunikationsweise und haben mit einer mediengerechten Aufbereitung von Informationen nichts mehr zu tun. Denken Sie hier nur an die vielen Besucher, die über ein mobiles Endgerät Ihre Website aufrufen: Das Scrollen durch eine mehrseitige PDF ist alles andere als ein schönes Erlebnis und verbessert nicht Ihre Chancen, mit Ihren Argumenten durchdringen und überzeugen zu können.

Suchmaschinen checken

Sie sollten dabei unbedingt beachten, dass der überwiegende Teil Ider Websitebesucher Ihre Seite über eine Suchmaschine findet und dann auch aufruft. Überprüfen Sie also regelmäßig, ob Ihre Website bei den relevanten Suchbegriffen (Name der Organisation und ihrer Vertreter, politische Themen, Ereignisse wie Wahlen) unter den ersten vier Treffern auftaucht und welche Angaben dann genau in der Suchmaschine zu finden sind. Benutzen Sie dabei auch einmal die Bildersuche und prüfen hier die Ergebnisse.

Ohne Programmierkenntnisse zur Website

Eine Website zu bauen ist heutzutage sehr simpel geworden. Sie benötigen so gut wie keine Programmierkenntnisse mehr, um eine sehr zeitgemäße und ansprechende Website zu erstellen: Es gibt einerseits zahlreiche sogenannte „Web-Baukästen“ (Übersicht​​​​). Hier können Sie aus verschiedenen Vorlagen mit sehr wenigen Klicks eine ganz passable Website erstellen. Der ganze technische Part (vom Hosting bis zur Domain) wird hier von dem jeweiligen Anbieter übernommen. Daneben haben viele Dienstleister inzwischen auch Angebote entwickelt, bei denen kostenlose Content-Management-Systeme (CMS) wie WordPress oder Drupal mit nur „einem Klick“ zuverlässig und fehlerfrei installiert werden und damit ebenfalls so gut wie keine technischen Berührungspunkte mit der Einrichtung von Datenbanken, der Domain etc. bestehen (Übersicht für WordPress).

Diese Variante hat gegenüber den „Web-Baukästen“ mehrere Vorteile:

  • Sie sind unabhängig von einem bestimmten Anbieter eines Web-Baukastens;
  • die weltweite Community im Hintergrund, welche die Software beständig weiterentwickelt;
  • Programmierer sind über den ganzen Erdball verteilt und entwickeln sogenannte Erweiterungen (Plugins) für Bildergalerien, Kontaktformulare, Veranstaltungskalender, Mitgliederverzeichnisse oder smarte Helfer, um das Suchmaschinenranking zu optimieren;
  • Neben diesen technischen Erweiterungen gibt es dann auch eine sehr große Auswahl an Designvorlagen für alle erdenklichen Branchen und Themen.
  • In vielen Fällen sind diese Vorlagen kostenlos oder gegen einen geringen Betrag zu kaufen.

Qualitativ hochwertiges Bildmaterial verwenden

Legen Sie auch unbedingt Wert auf gutes Bildmaterial auf Ihrer Website. Das betrifft natürlich einerseits Fotos von eigenen Veranstaltungen oder von Vertretern Ihrer Organisation. Verwackelte und verschwommene Fotos sind im Zeitalter von hochwertigen Smartphone-Kameras nur noch unprofessionell. Beim Vorstand sollte beispielsweise nicht jedes Foto einen anderen Hintergrund haben und in einem anderen Format aufgenommen werden. Bei Bildern generell gilt, dass die Dateigröße für das Web entsprechend reduziert sein sollte. Die Dateinamen sollten nicht aus Zahlen bestehen, sondern aus Schlagworten, die den Inhalt des Bildes umschreiben. Damit verbessern Sie auf ganz einfache Weise die Sichtbarkeit in Suchmaschinen (Mehr dazu). Missachten Sie auf gar keinen Fall die Urheberrechte! Stellen Sie also nur Bilder online, für die Sie die entsprechenden Rechte ausdrücklich zugewiesen bekommen haben. Kopien und Fotos von Zeitungsartikeln gehören dazu auf keinen Fall, ebenso auch keine kompletten Textübernahmen von Artikeln auf fremden Websites. Kostenlose und lizenzfreie Bilder bekommen Sie auf Portalen wie Pixabay, Freepik oder Unsplash.

Rechtliche Pflichten nicht vergessen!

Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die rechtlichen Pflichtangaben und Vorgaben. Unbedingt muss die Website ein rechtsgültiges und vollständiges Impressum haben, das den rechtlichen Anforderungen entspricht. Hier kann Ihnen ein sogenannter „Impressum-Generator“ viel Zeit und Nerven sparen (Beispiel). Daneben muss die Website auch der DSGVO entsprechen, also eine Datenschutzerklärung beinhalten. Der genaue Inhalt hängt sehr davon ab, welche unterschiedlichen Dienste und Tools Sie in Ihre Website integriert haben, vom YouTube-Video bis zur Google-Maps-Karte. Um nicht den Überblick zu verlieren und um keine falschen Angaben zu machen, lohnt sich auch hier die Verwendung eines Generators für die DSGVO-Datenschutzerklärung. Neben Impressum und Datenschutzerklärung sind nun auch die sogenannten „Cookie-Consent-Banner“ Pflicht. Auf immer mehr Websites werden diese nun eingeblendet. Verschiedene Dienstleister haben Tools entwickelt, mit denen ein solches Datenschutz-Tool rechtskonform eingesetzt werden kann. Ein Beispiel dafür ist das Tool „Cookiebot“, das für sehr kleine Websites sogar kostenlos ist.

Über den Autor

David J. Knepper ist Geschäftsführer der Neolox UG. Der ausgebildete Mediengestalter und studierte Kulturwissenschaftler baut seit 2000 Websites und engagiert sich damit auch in Wahlkämpfen.

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