Expertenbeitrag

Clubhouse: Ein Quick Guide

Clubhouse wurde im April 2020 auf dem US-Markt eingeführt und gewann schnell über 600.000 Nutzerinnen und Nutzer. Evan Williams, Twitter-CEO, Oprah Winfrey, Ashton Kutcher und viele andere machten Clubhouse zum Stadtgespräch. Letztes Wochenende ist die App in Deutschland gestartet. Innerhalb weniger Stunden zogen Unternehmerinnen und Unternehmer, Prominente, Politikerinnen und Politiker wie Dorothee Bär oder Christian Linder, digitale Expertinnen und Experten wie Sascha Lobo und Influencerinnen und Influencer wie Caro Daur ins Clubhouse.

Moderne Vernetzung mit hohem Suchtfaktor

Aber worum geht es in der App? Clubhouse ist derzeit eine iOS iOS-exklusive, sprachbasierte, soziale Plattform, die zu einem exklusiven, geschlossenen Publikum führt. Hier kann man virtuelle „Räume“ betreten und an Gesprächen teilnehmen, die im Wesentlichen wie Live-Podcasts oder Telefonkonferenzen funktionieren. Es handelt sich um eine moderne Form der Vernetzung mit hohem Suchtfaktor. Eine niedrige Hemmschwelle durch die Nutzung eines erlernten Formats macht das Netzwerk insbesondere für ältere BeNutzerinnen und Nutzer interessant. In einer Zeit, in der Podcasts, digitale Panels und offene Diskussionen mit Expertinnen und Experten eine wichtige Rolle in der Kommunikation spielen, trifft Clubhouse den richtigen Zeitgeist.

Zukunftsaussichten

Das Potenzial für Marken, Unternehmen und Organisationen bleibt unklar, da das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer noch nicht vorhersehbar ist. Die Nutzungszeiten sind in Deutschland sprunghaft angestiegen, können jedoch nach Aufhebung des Corona-Lockdowns auch wieder zusammenbrechen.

Doch sicherlich werden sich einige spannende Angebote auch über den Lockdown hinaus etablieren. Besonders sinnvoll erscheint die Nutzung derzeit für folgende Formate:

  1. Fokussierte Expertengespräche: Ausrichtung von Veranstaltungen mit extrem fokussierten und relevanten Themen, die zur Marke / zum Unternehmen passen
  2. Verschiedene Feedback-Gruppen: Kampagnen- oder Geschäftsideen mit einem Publikum von besonderem Interesse besprechen
  3. Unterhaltungsformate mit Influencerinnen und Influencern oder Prominenten mit professionellen Moderatorinnen und Moderatoren und Setup

Es bleibt abzuwarten, ob diese Formate beispielsweise für Unternehmen nachhaltig interessant sind. Dies wird stark von der jeweiligen Positionierung abhängen.

Regeln und Netiquette

Da Clubhouse ein Live-Format mit einem Publikum ist, das man sich nicht aussuchen oder begrenzen kann, ist das Potenzial für Kommunikationsprobleme hoch. Offiziell fallen Gespräche in den geschlossenen Gruppen unter die Regeln des „Chatham House“ - ob dies eingehalten wird, ist unklar.

Bereits jetzt sind viele Journalistinnen und Journalisten auf Clubhouse unterwegs - es bleibt abzuwarten, ob die Plattform zu einer ebenso reichhaltigen Quelle für Medienberichterstattung wird wie Twitter und Instagram.

Bei der Nutzung gelten die gleichen Regeln wie bei anderen Social-Media-Netzwerken, denn wenn die Botschaft in der Welt ist, lässt sie sich nur noch schwer einfangen. Botschaften sollten vorab definiert und die Risiken transparent gemacht werden. Gleichzeitig ergeben sich durch die Benutzerfreundlichkeit und die schnelle Einführung auch starke Chancen für die Kommunikation.

Datenschutzexpertinnen und -experten haben bereits Bedenken geäußert, da die App die Nutzerinnen und Nutzer auffordert, das eigene Adressbuch freizugeben. Diese Warnungen müssen bedacht und weiter validiert werden.

Bisher ist das deutsche Publikum mit Twitter vergleichbar, da die ersten Nutzerinnen und Nutzer hauptsächlich digitale Expertinnen und Experten, die progressiven politischen Akteure und Werberinnen und Werber sind. Der reine Audio-Ansatz erhält überraschend gute Resonanz. Die schnelle Einführung ist sicher auch auf die aktuelle Lockdown-Situation zurückzuführen. Die Tatsache, dass Clubhouse derzeit nur für iOS verfügbar ist, schränkt die Reichweite und Vielfalt der App stark ein.

In den USA verzeichnet die App nach dem ersten Boom einen Rückgang der Nutzerinnen und Nutzer, wobei sich die Zahlen langsam stabilisieren. Probleme mit Hassreden und mangelnder Vielfalt setzen die Entwicklerinnen und Entwickler unter Druck. Der potenzielle Erfolg wird stark von der Entwicklung ansprechender Formate durch Influencerinnen und Influencer, Expertinnen und Experten und Organisationen abhängen. Dies bietet für Kommunikatorinnen und Kommunikatoren die Möglichkeit, die eigene Organisation und das eigene Team als digitale Vorreiter zu positionieren.

 

Wenn man in seiner Kommunikation einen festen Platz für Clubhouse reservieren will, dann ist es sicher ratsam, sich früh einen festen „Sitzplatz“ – ein festes Format - zu reservieren, wie dies die Trendsetterinnen und Trendsetter in den USA vorgemacht haben.

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Über die Autorin

Die MSL Group Germany ist eine auf digitale Kommunikation sowie Public und Influencer Relations spezialisierte Kommunikationsberatung. Weltweit zählt die MSLGROUP an mehr als 100 Standorten in über 40 Ländern rund 2.500 Mitarbeiter.

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