Expertenbeitrag

Der souveräne Auftritt: Eine kraftvolle Sprache

Der erste Eindruck zählt. Diese Binsenweisheit gilt auch und gerade in der Politik. Wer ans Rednerpult tritt, möchte souverän wirken. Doch wie gelingt das? In einer Studie hat der amerikanische Kommunikationsforscher Albert Mehrabien herausgefunden, was eine souveräne Außenwirkung ausmacht: Es ist zu 55 Prozent die Körpersprache, zu 38 Prozent die Stimme und nur zu sieben Prozent der eigentliche Inhalt. Die gute Nachricht: Mit einer kraftvollen Sprache können wir den Inhalt besser bei den Zuhörenden verankern. Körper, Stimme und Sprache kann man trainieren. In diesem Beitrag geht es um den Inhalt.

Zahlen, Daten, Fakten sind die wichtigste Währung in der Politik – gerade in Zeiten von Fake News. Unsere Argumente werden jedoch nur dann gut gehört, wenn wir eine kraftvolle, lebendige Sprache benutzen, die auch Emotionen weckt.

Mit Füllwörtern, Relativierungen, Konjunktiven, mit einer abstrakten Sprache und Passiva werden wir Zuhörende nicht wirklich erreichen und überzeugen. Auch endlose Sätze und umständliche Argumentationen machen das Gegenüber eher ungeduldig und führen zur Abwehr. Kommunikationsexperten sagen, dass sich alle noch so komplexen Inhalte letztlich in maximal einer Minute erklären lassen.

Präzise und klar: Gewöhnen Sie sich an, klar und präzise zu formulieren, was Sie meinen. So schränken Sie den Raum für Fehlinterpretationen ein. Eine gute Technik für die präzise Argumentation ist der Fünf-Satz. Im ersten Schritt formulieren Sie Ihren Standpunkt. Dann folgt die Begründung durch drei gute Argumente, wobei das dritte das stärkste sein sollte. Am Schluss wiederholen und bekräftigen Sie Ihren Standpunkt noch einmal mit einem „Deshalb ist es so wichtig, dass…“

Anschaulich sprechen: Durch eine bildhafte Sprache und konkrete Beispiele können Sie abstrakte und komplexe politische Inhalte so erklären, dass Ihr Gegenüber sie nachvollziehen kann. Politik ist eben nicht nur das berühmte Bohren der dicken Bretter, sondern bedeutet, stets neu zu erklären, warum was wie getan werden sollte.

Storytelling: Menschen lieben Geschichten und haben sich seit jeher Geschichten erzählt. In den alten Sagen und Märchen, aber auch in den heiligen Schriften überliefert sich Erinnerung und Erkenntnis. Auch die Gegenwart, in der wir leben, besteht im Grunde aus Geschichten: überlieferte, erlebte, medial vermittelte, politische, persönliche, erfundene Geschichten oder wahre Begebenheiten. Welche Geschichte wollen Sie erzählen? Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrer Geschichte transportieren? Erzählen Sie persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen, vielleicht auch Missgeschicke und Fehler sowie Ihre persönlichen „lessons learned“. Sie verbinden so die politische Botschaft mit Ihrer Person und werden nahbarer und sympathischer.

Glaubwürdigkeit: Ziemlich leichtfertig ist oft von der Politikverdrossenheit die Rede. Dabei sind die Menschen nicht weniger interessiert an politischen Fragen, sie sind es nur leid, dass die großen politischen Herausforderungen und Probleme oft unter den Teppich gekehrt werden - mit Blick auf die Umfragen oder die nächsten Wahlen. Es gilt also, Zumutungen und Risiken klar auszusprechen, Fehler einzugestehen, Entscheidungen zu erklären. Und es geht darum, zu formulieren, wo Unwägbarkeiten und auch Einschnitte zu erwarten sind. Schonungslos und klar. Solche Ehrlichkeit baut Vertrauen auf, schafft Sympathie und Dialog.

Warum ist Robert Habeck (Grüne) derzeit der beliebteste Politiker? Meine These: Weil er glaubwürdig kommuniziert. Weil er das Land auf schmerzliche Einschnitte und Veränderungen vorbereitet, statt diese glattzubügeln. Weil er Widersprüche offenlegt, statt sie unter den Teppich zu kehren. Weil er komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge in bildlicher Sprache erklärt und sie so verständlich macht. Weil er seine Meinung und seine Prognosen ändert, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern. Weil er dies alles öffentlich macht. Transparent.

Glaubwürdigkeit in der Politik heißt: Sagen, was man meint! Machen, was man sagt! Frei nach Hannah Arendt: Die Wahrheit ist uns Wählerinnen und Wählern zumutbar.

Über die Autorin

Simone von Stosch moderierte von 2006 bis 2016 die Tagesschau und tagesschau24. Heute arbeitet sie als Coach für Rede- und Medienauftritte und tritt selbst als Moderatorin auf.

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