Expertenbeitrag

Der souveräne Auftritt: Mit Körpersprache überzeugen!

Der erste Eindruck zählt. Diese Binsenweisheit gilt auch und gerade in der Politik. Wer ans Rednerpult tritt, möchte souverän wirken. Doch wie gelingt das? In einer Studie hat der amerikanische Kommunikationsforscher Albert Mehrabien herausgefunden, was eine souveräne Außenwirkung ausmacht: Es ist zu 55 Prozent die Körpersprache, zu 38 Prozent die Stimme und nur zu sieben Prozent der eigentliche Inhalt. Die gute Nachricht: Mit einer kraftvollen Sprache können wir den Inhalt besser bei den Zuhörenden verankern. Körper, Stimme und Sprache kann man trainieren. In diesem Beitrag geht es um die Körpersprache.

Sie kennen das: Manche Menschen betreten einen Raum und werden sofort wahrgenommen, weil sie eine starke Ausstrahlung haben. Woran liegt das eigentlich? Die alten Griechen nannten das Charisma („Gnadengabe“): ein inneres Licht, das nach außen strahlt. Wir erleben eine starke Persönlichkeit, wenn Menschen mit ihrer Kraft verbunden sind, wenn sie Ziele und Werte mit Überzeugung und Leidenschaft vertreten, wenn sie Haltung zeigen. Sie wecken Begeisterung, nehmen andere mit auf den Weg. Und alles dies braucht es unbedingt in der Politik.

Lässt sich Charisma „lernen“, lassen Ausstrahlung und Überzeugungskraft sich stärken? Die Antwort ist ganz einfach: ja!

Auftritts- und Präsentationstraining gibt es viele. Allerdings wirken antrainierte Gesten und einstudierte Mimik oft kontraproduktiv. Eine erlernte Gestik, die im Widerspruch zur inneren Haltung steht, wirkt irritierend.

Es gibt aber auch den anderen Weg: die Stärkung der Persönlichkeit. „Was denken die anderen von mir?“ „Was ist politisch gewollt?“ „Darf und kann ich das sagen?“ Selbstzweifel und Unsicherheiten beeinträchtigen Ihre Überzeugungskraft. Als Politikerin und Politiker sollten Sie deshalb Ihr Selbstvertrauen, Ihren Mut und Ihre innere Haltung stärken: Positivität, Leidenschaft, ein Bewusstsein der eigenen Werte – all das prägt unsere Ausstrahlung ganz wesentlich.

Und jetzt kommt die Körpersprache ins Spiel: Sie ist ein tolles Instrument, mit dem wir unseren Überzeugungen einen starken Ausdruck verleihen. Je souveräner die Gestik, je besser die körperliche Aufrichtung und Standfestigkeit, desto authentischer und stärker ist unser Auftritt. Die Körpersprache steht in direkter Beziehung zu Ihrer inneren Haltung.

Worauf kommt es bei der Körpersprache an? Da geben die Körpermetaphern wichtige Hinweise. Ein paar Beispiele:

  • Standfestigkeit! Für eine kraftvolle Körpersprache ist die Verankerung mit dem Boden unerlässlich. Keinen festen Stand zu haben, macht uns wackelig und instabil. Wer nicht mit seinem ganzen Gewicht für seine Anliegen eintritt, der wird wenig Durchsetzungsfähigkeit entwickeln. Mit einem festen Stand bekommen wir den Körper ins Gleichgewicht. So strahlen wir nach außen Stärke und Präsenz aus. Übrigens führt eine gute Körperhaltung auch zu mehr Selbstvertrauen im Inneren. Es gibt also eine Wechselwirkung zwischen der Körpersprache und der inneren Haltung
  • Aufrichtigkeit! Stehen Sie aufrecht und federnd vor Ihrem Publikum, strecken Sie den oberen Rücken und lassen die Schultern nach hinten sinken. Dadurch hebt sich Ihre Präsenzzone: das Brustbein. Die Arme können sich frei bewegen. Stellen Sie sich vor, in der Mitte Ihres Körpers verläuft ein Faden, durch den Sie wie eine Marionette sanft nach oben gezogen werden, während gleichzeitig vom Becken aus die Schwerkraft nach unten geht und sich die Füße im Boden verankern. Sie werden spüren, wie Sie sich präsenter und geerdeter fühlen. Für andere wirken Sie offener und transparenter.
  • Die Dinge anpacken! Ihre Gestik drückt aus, ob Sie Ihre Ideen umsetzen und etwas bewegen wollen. Achten Sie darauf, dass die Gestik den Inhalt unterstreicht und nicht hektisch wirkt, sondern gezielt.
  • Fort-Schritt. Das innere Gleichgewicht ist die Voraussetzung dafür, einen bewussten Schritt in diese oder jene Richtung zu tun – also für das Vorankommen Um erfolgreich zu sein ist es wichtig, sich zu bewegen: nach vorn zu gehen, den Standpunkt zu wechseln. Ein neuer Standpunkt eröffnet neue Optionen, neue Perspektiven.
  • Strahlkraft. Eine lebendige Mimik und der Blick zum Gegenüber sorgen dafür, dass Sie persönlichen Kontakt aufbauen. Dabei geht es nicht darum, immerzu zu lächeln. Die positive Einstellung sieht Ihr Gegenüber am besten in den Augen: dem „inneren Lächeln“ oder auch dem Strahlen. Im Blickkontakt mit unseren Zuhörenden liegt eine enorme Kraft.

Je mehr Sie auf Ihre innere und äußere Haltung achten, desto größer wird Ihre individuelle Präsenz und Ausstrahlung. Und ist es nicht das, was das „innere Licht“ der alten Griechen meint?

Über den Autor

Simone von Stosch moderierte von 2006 bis 2016 die Tagesschau und tagesschau24. Heute arbeitet sie als Coach für Rede- und Medienauftritte und tritt selbst als Moderatorin auf.

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