Expertenbeitrag

Fundraising als Finanzierungsmöglichkeit im politischen Umfeld

Die solide Finanzierung ist eine wichtige Grundlage der Arbeit in Parteien, Verbänden und Organisationen. Neben den Mitglieds- und Sonderbeiträgen spielen Spenden vor allem bei der Finanzierung von Kampagnen und in Wahlkämpfen eine entscheidende Rolle. Nutzen Sie daher jede Gelegenheit, um aktiv Spenden einzuwerben. Frei nach dem Motto: „Ohne Moos nix los!“

Potenzielle Spender finden

Dafür haben Sie viele Möglichkeiten. Einige Ideen und Vorschläge möchte ich Ihnen hier aufzeigen. Zunächst einmal sollten Sie schauen, wer in der Vergangenheit (für ähnliche Kampagnen) gespendet hat. Diese Akteure sollten Ihre ersten Zielpersonen sein. Dann natürlich die Funktionsträger und Mitglieder (auch der Vereinigungen) vor Ort. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen und Handwerker aus der Region engagieren sich vor Ort. Nutzen Sie diese Chancen bei regionalen Projekten und Kampagnen. Als weitere Zielgruppe bieten sich Freiberufler an. Die regionale Verwurzelung ist häufig gegeben und auch finanzielle Spielräume für Spenden sind in der Regel vorhanden. Bei Persönlichkeitswahlen (Bürgermeister, Landtagskandidat etc.) ist auch das Umfeld des Kandidaten eine interessante Zielgruppe für die Spendenakquise.​​​​

Was muss ich bei der Ansprache der potenziellen Geldgeber beachten?

Im persönlichen Gespräch mit dem Spender sind zwei Punkte unverzichtbar: Zum einen sprechen Sie immer auf Augenhöhe mit Ihrem (potenziellen) Spender. Laden Sie ihn ein, Ihr Projekt bzw. Ihre Kampagne mit einer persönlichen Spende zu unterstützen. Zum anderen sollten Sie ein klares Ziel haben und dieses auch Ihrem Gesprächspartner direkt kommunizieren. Das kann als ein konkreter Geldbetrag (z.B. 1.000 EUR) oder als ein Anteil am Gesamtprojekt (Gesamtkosten 50.000 EUR für den Wahlkampf, sind Sie mit fünf Prozent dabei?) formuliert werden. Bedenken Sie immer, dass Sie in der Regel nicht mehr erhalten als den Betrag, den Sie genannt haben.

Spender wertschätzen

Seien Sie für jede Spende dankbar! Wenn Sie diesen einfachen Satz leben, dann haben Sie alle Chancen, Ihre Spender an Sie zu binden. Dazu gehört bei den Normal- und Kleinspenden ein schneller Dankesbrief oder eine Dankeskarte. Auch wenn die Spendenbescheinigung noch nicht erstellt wurde, schreiben Sie sehr zeitnah (wenn möglich innerhalb einer Woche). Bei Großspenden dürfen Sie auch gern zum Telefonhörer greifen und Ihrem Spender direkt danken. Laden Sie Ihre Spender zur Projekteinweihung oder zur Wahlparty ein. Veranstalten Sie nach einem Wahlkampf oder einer erfolgreichen Kampagne einen Dankesabend. Dabei muss es gar kein 5-Sterne-Hotel sein. Ein gemütlicher Abend bei Bier und Bratwurst im Hof der Geschäftsstelle oder beim Kandidaten im Garten kommen mindestens genauso gut an.

Aktuelle Trends im Fundraising

Sicherlich spielen heute bei gemeinnützigen Organisationen die Themen Online-Spende und Social Media eine wichtige Rolle. Hierfür ist eine prominente Einbindung auf der Homepage und ein aktiver Social-Media-Auftritt unerlässlich. Dazu müssen diese Kanäle stark frequentiert werden und hohe Besucherzahlen aufweisen. Zumindest an letzterem fehlt es häufig bei den regionalen Organisationen oder Kreis-, Gemeinde- und Ortsverbänden der Parteien. Dann hilft auch keine noch so gute Einbindung der Tools. Es fehlen schlichtweg die potenziellen Spender. Auch das Crowdfunding ist im politischen Bereich noch nicht angekommen. Ferner haben politische Parteien weder die Chance, sich bei „smile.amazon“ zu registrieren, um von Umsätzen zu profitieren, noch bei Facebook für die beliebten Geburtstagsspendenaktionen aufgenommen zu werden. Somit bleiben mit der persönlichen Ansprache, der Veranstaltung oder dem Spendenbrief vor allem die klassischen Fundraisinginstrumente für die aktive Spenderansprache.

Zu guter Letzt…

Nutzen Sie alle Möglichkeiten, darauf hinzuweisen, dass Sie Spenden benötigen. Dies kann durch den Hinweis des Spendenkontos auf Flyern, Broschüren und Visitenkarten erfolgen. Außerdem sollte es einen prominenten Hinweis auf der Homepage geben. Wenn Sie kein eigenes Onlinespendenformular nutzen, dann muss dort zumindest das Spendenkonto angegeben werden. Auch ein SEPA-Formular für Einmal- oder Dauerspenden sollte zu finden sein.

Geld kann in einer Kampagne sicherlich gute Ideen und den persönlichen Einsatz der Mitglieder und Freiwilligen nicht ersetzen, aber auch für die Kampagne gilt der alte Fußballergrundsatz: „Geld schießt keine Tore, aber ohne Geld kann ich auch keinen Stürmer kaufen.“ In diesem Sinne: Viel Erfolg bei Ihrer Spendenkampagne!

Über den Autor

Christian Meyer ist seit 2009 Landesgeschäftsführer der CDU in Niedersachsen. Dort verantwortet er auch die Budgetplanungen und Durchführung von Wahlkämpfen auf allen Ebenen. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung kennt der 40-Jährige die Fallstricke kommunaler Kampagnen. ​​​​​​​

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