Expertenbeitrag

Live ist Live: Politische Kommunikation durch Livestreams

In Zeiten des Social Distancing verlagert sich das Soziale ins Digitale. Das bietet die Chance der direkteren Kommunikation im politischen Kontext. Anlass genug, Livestreams unter die Lupe zu nehmen und die Potenziale und Risiken des Formats genauer zu betrachten.

Szenarien für den Livestream-Einsatz

Videokonferenzprogramme wie WebEx oder Zoom sind beruflich wie privat die digitalen Instrumente der Stunde. Die kostengünstigen Softwares eignen sich - vor allem wegen des geringen Aufwands - um ein kleines Live-Event wie etwa den Kreisparteitag oder eine Abendveranstaltung auszustrahlen. Der Laptop kann einfach mit etwas Abstand zum Pult platziert werden, um den Hauptredner perfekt im Blick zu haben. Hinter dem Redner kann für einen professionellen Eindruck noch ein Banner positioniert werden. Über die Computereingänge sind aber auch externe Kameras anschließbar. Zudem lassen sich mittels der Apps von Zoom und WebEx auch Smartphones, kombiniert mit einem kostengünstigen und überall erhältlichem Stativ, zum Live-Instrument umwidmen.

Am besten loggt man sich noch mit einem zweiten Gerät in die Veranstaltung ein, dann hat man alles gut im Blick und kann mit den Teilnehmern interagieren. Denn klar ist: Menschen wollen auch im digitalen Raum beteiligt werden, sei es durch Wortbeiträge oder Kommentare in der Chatfunktion. Auch können den Livestream-Gästen Fragen gestellt und Meinungsbilder einfacher eingeholt werden. Bei WebEx ist dies z.B. durch die Umfragefunktion möglich. Dasselbe gilt für Abstimmungen, bei denen aber beachtet werden sollte, dass diese nicht rechtsverbindlich sind.

An einer Videokonferenz teilnehmen kann man aber nur mit Hilfe eines vorher bekanntgegebenen Links. Wer die breite Öffentlichkeit erreichen will, der greift zu Facebook und Instagram. Beide Apps pushen Livestreams, indem sie diese bevorzugt anzeigen. Um live zu gehen, braucht es bloß das aufgeladene Handy. Auch hier empfiehlt es sich, neben dem Handystativ eine Beleuchtungshilfe wie ein Ringlicht zu besorgen und zudem Mikrofon oder Kopfhörer anzuschließen. Die Übertragungen bei Facebook sind mit einer TV-Berichterstattung zu vergleichen, da Zuschauer nicht zugeschaltet werden können. Anders auf Instagram: Im Netzwerk mit etwas jüngerer Nutzerschaft können neuerdings bis zu vier User zeitgleich sprechen. Die Nutzung der Videoplattform YouTube ist übrigens eher bei einem eigenen und bestenfalls bereits bespielten YouTube-Kanal ratsam.

Die „Studio“-Einrichtung hängt dabei – unabhängig von der Plattform – ganz vom Anlass ab: Eher steril sollte es bei einem Kreisparteitag sein, während eine „heimeligere“ Wohnzimmeratmosphäre besser ist, wenn man informell reden möchte oder einen Gesprächsgast vor Ort hat (so können übrigens auch Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden!). Wenn es etwas größer wird, sollte dies mit professioneller Hilfe geschehen. Ein Studio mit durchdachter Ausleuchtung und mehreren Handlungsorten (z.B. ein Pult für eine Antragsberatung und ein lockereres Setting für Live-Talk-Gäste) ist dann schnell umzusetzen.

Je mehr Menschen zuschauen, desto größer ist übrigens auch die Breitenwirkung des Livestreams selbst. Und so kann es sein, dass die Umsetzung ein Nachrichtenwert an sich ist, wie wir es beim „JU Pitch“ der Jungen Union Deutschlands erlebt haben: Neben dem Aufeinandertreffen der Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz im Oktober 2020 wurde auch über den professionellen Anstrich, den wir dem Event gaben, berichtet. Zur Einordnung: Beim „JU Pitch“ waren zwölf Kameras und insgesamt 30 Leute im Einsatz.

„Live is live“: Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt!

Mit einer guten Strategie können viele Menschen durch Live-Formate erreicht werden. Nur zieht viel Aufmerksamkeit nicht zwangsläufig nur die „richtigen“ Gäste an. Bei Online-Events sind unpassende Kommentare oder Fragen keine Seltenheit. Daher sollte sog. „Community-Management“ betrieben werden. Wie mit Querulanten umgegangen werden kann, erfahren Sie in diesem Artikel des Poltiksnack-Blogs.

Nach einer Veranstaltung können neben Berichten auch Mitschnitte des Streams auf die eigene Website hochgeladen werden. Soziale Netzwerke speichern Live-Veranstaltungen automatisch. Oder mal was Neues wagen: Die Tonspur eines aufgezeichneten Livestreams im Nachhinein als Audio-Format veröffentlichen – und damit vielleicht den Beginn einer Podcast-Gesprächsreihe markieren?

Aber auch die beste Planung und das tollste Setup helfen manchmal nicht weiter. Ob instabile Internetleitung, ein verspäteter Gast oder spontaner Ausfall des Audio-Signals - irgendwas is’ immer! Es hilft, vorher einige Worst-Case-Szenarien durchgespielt und Stichpunkte für eine Brückenmoderation parat zu haben und flink zu kommunizieren, wie es gleich weitergeht. Beständige Aufmerksamkeit ist weder in Sozialen Netzwerken noch Videokonferenzen garantiert. Und wer nicht liefert, der unterhält sich schlussendlich doch wieder nur mit den üblichen Gesichtern. Daher empfiehlt es sich insbesondere vor den allerersten Livestreams, auf eigens dafür eingerichteten Accounts ohne Follower die Verbindung sowie die Bild- und Tonqualität zu testen.

Livestreams bieten in der Pandemie viele Möglichkeiten, Distanzen zu überwinden und Veranstaltungen durchzuführen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, der Einstieg durch Programme und Apps einfach. Wer jetzt Erfahrungen sammelt, wird später belohnt werden: Denn die Erwartungshaltung, an Veranstaltungen (auch) digital teilnehmen zu können, wird Corona überdauern. Der Livestream hat also gerade erst begonnen.

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Über den Autor

Alex Schmidtke ist vor und hinter der Kamera bei verschiedenen Livestreams der Jungen Union und der Konrad-Adenauer-Stiftung aktiv: Ob als Moderator des KAS-Streams „Bits and Ballots“ im November 2020 oder als Regisseur des „JU Pitch“ und der JU-Live-Formate beim JU-Deutschlandtag und dem CDU-Bundesparteitag. Der Berliner Jurist absolviert sein Referendariat und leitet derzeit ehrenamtlich den Social Media-Wahlkampf der Jungen Union Berlins für die Wahlen im September 2021. Darüber hinaus setzt er neue Wahlkampfformate bei einer CDU-Bundestagsdirektkandidatin auf. ​​​​​​​

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