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Meine erste Kandidatur

Warum sollte ich mich eigentlich kommunalpolitischen engagieren? Diese Frage werden Sie sich sicherlich vor Ihrem Entschluss gestellt haben. Häufig sind es die ganz kleinen Themen vor Ort, die Menschen dazu bringen für den Gemeinde- oder Ortsrat zu kandidieren. Es geht darum, dass Leben vor Ort für die Menschen – Freunde, Nachbarn, Familie – ein Stück lebenswerter zu machen. Welches Ihre persönlichen Gründe sind? Sie werden es wissen.

Kommunalpolitik macht Spaß – kostet aber auch viel Zeit. Sprechen Sie vor Ihrer Entscheidung mit Ihrer Familie und/oder guten Freunden. Eine Kandidatur sollte immer mit der Familie und niemals gegen die Familie erfolgen.

Mein Weg auf die Liste

Der erste Schritt nach der Entscheidung ist der Weg auf die Liste. Nehmen Sie hierfür am besten Kontakt mit Ihrer Kreisgeschäftsstelle oder dem örtlichen Vorsitzenden auf. Die Vorsitzenden, eine Findungskommission oder auch die Vorstände haben die Aufgabe die Listen vorzubereiten. Dazu gehört natürlich auch die Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten. Nur in ganz seltenen Fällen sind die Listen voll. Der Regelfall ist vielmehr, dass aktiv Kandidaten gesucht werden.

Gerade auch die Kandidatur von Frauen, die auf den Listen und auch in den Fraktionen häufig unterrepräsentiert sind, wird vor Ort sehr begrüßt. Die formale Listenaufstellung erfolgt dann in einer Versammlung der wahlberechtigen Parteimitglieder. Bis auf die großen Städte, wo häufig nur ein oder zwei Kandidaten in den Rat einziehen, ist die Platzierung auf der Liste von nicht so großer Bedeutung. Wenn zum Beispiel bei einer Gemeinderatswahl 14 von 26 Kandidaten in den Rat einziehen, dann werden häufig zwölf über die sogenannte Persönlichkeitsstimme gewählt. Da sind auch Kandidaten der hinteren Plätze dabei.

Kommunalwahlen sind Persönlichkeitswahlen.

Machen Sie Ihre Kandidatur bekannt. Sprechen Sie mit Ihren Freunden, Kollegen, Nachbarn und Bekannten. Das sind, soweit sie natürlich in Ihrem Wahlbereich wohnen, Ihre persönlichen Stammwähler, selbst dann, wenn Sie das erste Mal kandidieren. Kommunalwahlen sind mehr als anderen Wahlen echte Persönlichkeitswahlen. Es wird gewählt, wen man kennt und wem man vertraut.

Das gilt umso mehr, je kleiner und ländlicher ein Wahlbereich ist. In Ihrem persönlichen Adressbuch finden Sie Ihre Wähler. Erstellen Sie sich hieraus eine persönliche Liste und überlegen Sie, wie Sie jeden einzelnen davon ansprechen können. Am besten geht das natürlich im persönlichen Gespräch, aber auch mit einer handschriftlichen Karte kann man für besondere Aufmerksamkeit sorgen. Zeigen Sie Präsenz vor Ort – sei es im Sportverein, bei Bürgerinitiativen oder Aktion, bei denen helfende Hände gesucht werden. Fangen Sie damit nicht erst vier Wochen vor der Wahl an, sondern gern schon ein Jahr vor der Wahl, wenn Sie noch überlegen oder noch viel mehr, wenn Sie Ihren Entschluss bereits gefasst haben.

Wahlkampf macht Spaß!

Das Zitat von Konrad Adenauer gilt auch noch heute: "Wahlkampf macht Spaß, man muss nur gewinnen" – oder besser gesagt: Selbst in den Rat gewählt werden. Sie brauchen als Kandidat für den Rat i.d.R. keine eigenen Plakate oder tolle Werbemittel. Ihr Foto sollte allerdings professionell sein. Viele Verbände bieten hierfür ein Kandidatenshooting an. Diese Fotos werden auch für den sogenannten Mannschaftsflyer aller Kandidaten für den Rat genutzt. Für Sie reicht häufig schon eine Kandidatenkarte (z.B im Format DIN-Lang) aus.

Ein gutes Foto, die Nutzung der aktuellen Werbelinie und ein paar persönliche Punkte auf der Rückseite und schon hinterlassen Sie einen professionellen Eindruck. Eine weitergehende externe Beratung oder Unterstützung werden Sie vermutlich nicht benötigen. Verteilen Sie Ihre Kandidatenkarten, gern mit dem „Mannschaftsflyer“ aller Kandidaten, aber immer persönlich. Nutzen Sie die Chance, in den Zeiten nach Corona, um kräftig Hände zu schütteln. Ein persönlicher Händedruck erhöht die Wahlchancen deutlich.

Hausbesuche – das A und O der Wähleransprache

Plakate, Handzettel und Kugelschreiber sind zwar wichtig, aber das wichtigste Werbemittel ist und bleibt der Kandidat selbst. In der Wahlkabine gibt es eine Vielzahl von Wahlzetteln (Kreistag, Gemeinderat, Ortsrat, Bürgermeister, Landrat) mit vielen Listen und zum Teil mehr als 100 Namen auf einem Zettel. Da muss der Wähler sich an Sie erinnern können.

Je mehr Hände sie schütteln, je mehr Gespräche Sie führen und je positiver die Menschen sich an sie erinnern, desto höher sind Ihre persönlichen Wahlchancen. Suchen Sie nach einer persönlichen Verbindung zu Ihrem Listenplatz. Es muss nicht immer einer der ersten sein. Der 10. oder der 22. sind auch gut zu merken. Die letzten werden die ersten sein. Hausbesuche sind das A und O der Wähleransprache. Hausbesuche sind effektiv.

Sie sind kostengünstig, aber sie kosten Zeit statt Geld. Das direkte Gespräch an der Haustür oder über den Gartenzaun mobilisiert Ihre Wähler. Hausbesuche sprechen sich erfahrungsgemäß herum, selbst wenn Sie niemanden angetroffen haben und nur eine Nachricht hinterlassen haben.

Digitale Aktivitäten

Sie sind aktiv auf Facebook oder Instagram. Nutzen Sie diese Möglichkeiten, um über Ihre Aktivitäten aber auch privates und persönliches zu berichten. Wichtig ist dabei, dass Sie sich wohlfühlen. Bleiben Sie authentisch und verstellen Sie sich nicht. Wenn es Ihnen nicht so sehr liegt, dann überlegen Sie es sich lieber zweimal.

Achten Sie auch darauf, dass Sie sich nicht verzetteln. Es gibt so viele Möglichkeiten: Twitter, Facebook und Instagram, Xing und LinkedIn, Snapchat und TikTok. Konzentrieren Sie sich auf den Kanal, auf dem Sie Ihre persönlichen Wähler am ehesten erreichen können. Das wird für viele Kandidaten wohl Facebook sein. Für jüngere Kandidaten oftmals Instagram. Denken Sie immer daran: Social Media ist keine Einbahnstraße. Beantworten Sie persönliche Nachrichten und reagieren Sie auf Lob und auch Kritik in den Kommentaren. Die Interaktion erhöht Ihre Reichweite. Nutzen Sie vor allem bei Instagram die „Call-to-Action“-Möglichkeiten in der Story und fordern Sie Ihre Freunde/Follower zur Interaktion auf. Das führt nicht nur zu einer stärkeren Bindung, sondern Sie erhalten auch einen Überblick, wie bestimmte Themen gesehen und bewertet werden.

Nutzen Sie Messengerdienste, wie z.B. WhatsApp, um Ihre Stammwähler, Freunde, Bekannte, Familie, Nachbarn, mit denen Sie regelmäßig in Kontakt stehen, noch einmal daran zu erinnern, Sie persönlich bei der Wahl zu unterstützen.

 

Viel Erfolg bei Ihrer ersten Kandidatur!

 

 

Über den Autor

​​​​​​​Christian Meyer ist seit 2009 Landesgeschäftsführer der CDU in Niedersachsen. Dort verantwortet er auch die Budgetplanungen und Durchführung von Wahlkämpfen auf allen Ebenen. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung kennt der 40-Jährige die Fallstricke kommunaler Kampagnen.

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