Expertenbeitrag

Tipps für die digitale Kommunikation

Den Politiker, die Politikerin zum Anfassen! So wird oft beschrieben, was die Menschen sich von der Politik wünschen: Nahbarkeit, Dialog, Persönlichkeit und Vertrauen. Wie können Sie dies vermitteln, wenn Sie Ihrem Gegenüber nicht eins zu eins gegenüber stehen? Wenn Sie stattdessen vor dem heimischen Computer, dem Laptop oder Handy sind?

Einige Tipps können Ihnen helfen, auch in der digitalen Kommunikation Präsenz und Persönlichkeit auszustrahlen, Vertrauen und Dialog aufzubauen. 

Bildausschnitt

Die meisten Menschen entscheiden sich bei Videokonferenzen und Online-Meetings für einen Portraitausschnitt. Mit der Folge, dass das Gesicht überdimensioniert erscheint, abgeschnitten vom Rest des Körpers. Der Kopf erscheint übergroß. Wenn man diesen Ausschnitt in die reale Welt überträgt, ist es so, als ob wir sehr, sehr nah am Gesicht unseres Gesprächspartners seien. Damit würden wir den natürlichen Distanzkreis eines Menschen durchbrechen. Bedenken Sie, dass Menschen sich mit dieser aufgezwungenen Intimität nicht wohlfühlen. Daher meine Anregung: Wählen Sie einen Ausschnitt, der mehr als Ihren Kopf zeigt, ungefähr bis Bauchnabelhöhe. Der Vorteil: Sie können ganz intuitiv gestikulieren und Ihre Körpersprache mit einbringen.

Licht

So schön der Ausblick aus Ihrem Fenster auch sein mag: Bitte positionieren Sie sich niemals vor einer Lichtquelle. Die Folge wäre: Ihr Hinterkopf wird angeleuchtet, das Gesicht ist im Schatten. Machen Sie es also genau umgekehrt: Sie sollten eine Schreibtischlampe oder andere warme Lichtquelle hinter Ihrer Kamera platzieren, so dass Ihr Gesicht ausgeleuchtet ist. So wirken Sie lebendiger und sympathischer. Ihr Publikum kann Ihre Mimik besser lesen.

Hintergrund

Überlegen Sie genau, vor welchen Hintergrund Sie sich setzen möchten und was Sie davon über sich erzählen möchten. Virtuelle Hintergründe fransen an den Körperkonturen oftmals aus, was sehr störend wirkt. Außerdem hinterlassen sie den Eindruck, der Teilnehmer habe etwas zu verbergen.

Kleidung

Viele Politiker wählen als Kleidungsfarben fröhlich schwarz, aufbauendes anthrazit oder ordentliches dunkel blau…Eine Farbpallette, die viel Seriosität ausstrahlt, uns aber auch etwas verloren gehen lässt. Probieren Sie doch mal eine auffälligere Farbe, ein strahlendes, helles blau, ein sattes gelb oder ein warmes Rot. Unifarben, nicht gemustert. Das erhöht Ihre Präsenz.

Blickkontakt

Die virtuelle Kommunikation konfrontiert uns mit einer Absurdität: Je intensiver wir unser Gegenüber oder Publikum anschauen, also auf den Bildschirm schauen, desto abwesender und desinteressierter wirken wir. Eine ganz wesentliche Voraussetzung für Dialog und Präsenz ist Ihr Blick: Er sollte unbedingt und sehr fokussiert in die Kamera gerichtet sein. Stellen Sie sich hinter Ihrer kleinen Kamera die Menschen vor, mit denen Sie gerade sprechen: So wird der Blick lebendiger, die Augen bekommen mehr Glanz. Nutzen Sie dann Ihre Sprechpausen ganz konzentriert, um einen Blick in Ihr Publikum – die Kacheln auf dem Bildschirm – zu werfen. Prüfen Sie dabei: Sind die Gesichter noch aufmerksam? Konnten Sie die Menschen mitnehmen? Wenn die Aufmerksamkeit nachlässt heißt das für Sie: noch mehr Präsenz entwickeln, noch mehr Energie aufwenden.

Botschaften

In der virtuellen Kommunikation zählt die Botschaft noch stärker. Was genau wollen Sie sagen? Wie können Sie komplexe Inhalte in bildhafter anschaulicher Sprache erklären? Nutzen Sie Bilder, Vergleiche und die Kraft des Storytellings. Bringen Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit ein! Menschen lieben Geschichten. Weniger ist übrigens mehr! Je präziser und anschaulicher Ihre Aussagen, desto kraftvoller wird die Sprache!

Über die Autorin

Simone von Stosch moderierte von 2006 bis 2016 die Tagesschau und tagesschau24. Heute arbeitet sie als Coach für Rede- und Medienauftritte und tritt selbst als Moderatorin auf.

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