Artikel

Twitter in der Kommunalpolitik

In der politischen Kommunikation sind soziale Netzwerke heute unabdingbar. Kommunikationsfähigkeit ist DIE Schlüsselkompetenz für Politik und Willensbildung überhaupt. Es gelten neue Spielregeln, die Zeiten, in denen man eine Pressemitteilung an örtliche Redaktionen faxte, sind längst vorbei. Der Medienkonsument antwortet, und zwar direkt. Er muss nicht auf die Leserbriefspalte am übernächsten Tag warten. Es gibt inzwischen eine Generation, die sich fast ausschließlich aus dem Netz informiert. Diese Tatsache muss jedes Rathaus, jedes Landratsamt immer im Hinterkopf haben.

Für die Kommunikation mit der Bevölkerung in der eigenen Kommune ist aber immer noch Facebook die Nr. 1, denn dort zieht die Kombination aus „menschelnden“ Inhalten, Emotionen, Bildern, Verlinkung von Personen, Orten und Veranstaltungen sowie Gruppen. Eine Dynamik, die schwer zu steuern ist, aber seitens der Kommune bespielt werden muss.

Warum also noch Twitter?

Für mich zeichnet die Kommunikation auf Twitter aus, dass ich als Kommunalpolitiker eine ganz andere Klientel erreichen kann. Twitter ist primär nachrichtenorientiert, die Information oder die zugespitzte Meinungsäußerung steht im Vordergrund. Dies sorgt dafür, dass auf Twitter ein Nutzerkreis vorherrscht, der sich schnell informieren möchte, in der Regel Menschen, die mobil arbeiten und aus ihrer Berufstätigkeit heraus andere und sich informieren. Twitter ist zudem ein Liebling bei überregionalen Redaktionen und Journalisten, man findet direkten Zugang zu Bundes- und Landesbehörden, Universitäten und Instituten, politischen Parteien und Fraktionen sowie Interessenverbänden. Wenn etwas landes- oder bundesweit in der Presse aufgegriffen wird, stehen die Chancen gut, dass diese Information zuerst auf Twitter zu finden war und dort zuerst Verbreitung findet.

Wozu nutzen Bürgermeister Twitter?

Nicht primär für die örtliche Kommunikation, da sind Lokalzeitung, Facebook und Instagram unschlagbar. Aber für politische Äußerungen, Statements zu Landes- und Bundespolitik, verbandspolitische Positionen ist Twitter von unschätzbarem Wert. Durch gezieltes „Folgen“ bestimmter Accounts erreicht man eine ausgesuchte, an Fachfragen interessierte Leserschaft. Man kann sich gezielt mit Redaktionen, Journalisten, Wissenschaftlern verknüpfen und so Fragen aus Bereichen wie z. B. Stadtentwicklung oder Kommunalrecht in die Diskussion bringen. Ich selbst nutze Twitter auch zum Austausch mit anderen, „ähnlich tickenden“ Bürgermeistern und Politikern, betreibe z. B. mit Patrick Kunkel (Deutschlands „Twitter-Bürgermeister“) und Tobias Bringmann die Plattform „Kommunen2030“, um unter diesem Account interessante Tweets aus Kommunen und Kommunalwirtschaft zu sammeln, Verwaltungsmodernisierung zu befördern und gute Beispiele zu geben.

Welchen Stellenwert hat Twitter für die Kommunalpolitik?

Da muss man unterscheiden. Für die Kommunikation mit den Bürgern in der eigenen Kommune sind andere Netzwerke sicher vordinglicher. Twitter kommt dann ins Spiel, wenn es gilt, kommunalpolitische Positionen landes- und bundesweit in die Diskussion zu bringen, Themen zu „setzen“ und Verbesserungspotentiale aufzuzeigen. Vor allem aber ist meine Mission: Ich möchte Kommunalpolitik ins neue Jahrzehnt führen und die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Politik „vor Ort“ lenken. In meinen Augen sind gerade kommunale Fragestellungen diejenigen, die die Menschen direkt und unmittelbar betreffen. In der Kommune kommen die Bürger zum ersten Mal mit „dem Staat“ in Verbindung. Für mich gilt daher, für die „Sache der Kommunen“ zu werben und zu versuchen, bundesweit aufzuzeigen, welch großartige Dienstleister die Städte und Gemeinden in Deutschland sind. Die Menschen schauen nicht zuerst nach Brüssel, Berlin oder in ihre Landeshauptstadt, sondern sie stehen mit ihrem Anliegen unmittelbar in unseren Rathäusern und Landratsämtern. Damit ist die Kommune nicht die „unterste“, sondern vielmehr die erste(!) Ebene im Staat und hat damit DIE Schlüsselfunktion für die Wahrnehmung von Politik und Verwaltung insgesamt.

Welchen Mehrwert kann Twitter für Kommunalpolitiker haben?

Twitter bedeutet auch Zwang. Zum Glück. Der Zwang, sich kurzfassen zu müssen ist ein wesentliches Merkmal dieses Netzwerks, zugleich seine große Stärke und führt zu Selbstdisziplinierung. Die eigenen Aussagen nicht im „Verwaltungsdeutsch“ breit auswälzen, sondern allgemeinverständlich auf den wesentlichen Kernpunkt kommen, ist ein echter Vorteil! Zwar kann man mehrere Tweets zu einem Thread zusammenfügen, mehr Beachtung finden jedoch meist einzelne Tweets. (Gegenbeispiel: der erfolgreichste Twitter-Beitrag des Autors war ein Thread „Fördermittel, eine subjektive und bewusst überzeichnete Polemik-Ein Thread in 16 Teilen“)

Auch im Bereich der Krisenkommunikation kann Twitter alleine durch seine Geschwindigkeit und die Vernetzung seine Stärken ausspielen. Gleiches gilt für Großveranstaltungen, bei denen Veranstalter, Polizeipräsidien und Kommunalpolitiker sich die Bälle zutwittern können.

Twitter ist auch eine Art „Seismograph“ für Themen, die die Menschen bewegen. Die Verwendung von Hashtags und das Beachten von auf Twitter dargestellten Trends bringt einen in die Lage, die eigene Aussage in einen überregionalen Kontext zu setzen. Damit kann man bei einer fachlich interessierten Leserschaft Resonanz erfahren, und das in der Regel sehr zügig. Im Idealfall können so lokale Trends oder Best-Practice-Beispiele aus der eigenen Gemeinde von der überregionalen Berichterstattung aufgegriffen werden. Hat man dann seinen Content noch mit einem Link auf vertiefendes Material (z. B. Homepage der Kommune oder einer Fraktion) versehen, kann dies noch zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen – bei Medienkonsumenten, oberen Behörden, Wissenschaftlern und Redaktionen, die sonst „die Kommunalen“ eher übersehen würden.

Fazit

Twitter ist somit knapp, präzise, nachrichtenorientiert, geeignet zur Krisenkommunikation, trägt lokale Inhalte in bundesweite Diskussion, vernetzt mit Fachpublikum, Behörden und Redaktionen, zwingt zu faktenorientierter, überschaubarer und verständlicher Kommunikation, zeigt frühzeitig Trends an und ist die Chance, kommunale Themen überregional zu setzen. Kommunalpolitiker, insbesondere Amtsträger, sollten dieses Netzwerk daher nicht übersehen.

 

Über den Autor

Alexander Heppe ist seit 2009 Bürgermeister der hessischen Kreisstadt Eschwege. Der 44-jährige CDU-Politiker ist Mitglied im Präsidium des Hessischen Städtetages und bringt sich auf Twitter regelmäßig in politische Diskussionen ein.

Um einen Kommentar zu hinterlassen, melden Sie sich bitte hier an.

Empfohlene Beiträge

Expertenbeitrag
Egon Huschitt
Expertenbeitrag
Dr. Jochen Roose
Expertenmeinung
Michael Traindt
Expertenbeitrag
Dr. Sandra Busch-Janser
Artikel
Linda Dietze