Expertenbeitrag

Vom Umgang miteinander oder: Wie begegne ich Journalisten?

Politik ist immer auch Kommunikation. Wer seine Pläne und Ziele nicht kommuniziert (bekommt), wird schlussendlich mit seiner Politik nicht erfolgreich sein. Neben den sozialen Netzwerken ist die klassische Pressearbeit dabei immer noch unverzichtbar. Das gilt von der Kommunal- über die Landes- bis in die Bundes- und Europapolitik. Während in der Landespolitik in Hannover oder der Bundespolitik in Berlin hauptamtliche Pressesprecher mit den Journalisten zusammenarbeiten, sieht dies auf der kommunalen Ebene doch ganz anderes aus. In den Kreis- und Ortsverbänden der Parteien sind ehrenamtliche Pressebeauftragte unterwegs, die manchmal “wie die Jungfrau zum Kinde” an ihren Posten gekommen sind. Ihnen obliegt jetzt die Aufgabe, die politischen Ziele und Pläne ihrer Vorstände und Mandatsträger den Journalisten “zu verkaufen”.

Diese Aufgabe stellt sich so mancher lokale Parteichef einfacher vor als gedacht. Wer kennt sie nicht, die Debatte im Vorstand, warum über eine “ach so tolle” Veranstaltung mit dem örtlichen Landtagsabgeordneten oder dem Bürgermeisterkandidaten nicht berichtet wird. Nicht mal ein Vertreter der lokalen Presse war beim Termin zugegen... Solche oder ähnliche Ereignisse kennt fast jeder, der sich etwas länger in der Lokalpolitik engagiert. Oder den Frust über die dritte Pressemitteilung in Folge, die nicht abgedruckt wurde. Das muss aber nicht sein. Es gibt ein paar kleine Regeln, die dazu führen, dass es beim nächsten Mal besser klappt.

Vertrauen und Verständnis als Grundlage

Kennen Sie den Journalisten Ihrer Lokalzeitung, des Radiosenders oder des Lokalfernsehens bei Ihnen vor Ort, der für die Berichterstattung über Ihre Partei oder Ratsfraktion zuständig ist? Wissen Sie, wie und wann er arbeitet und welche Themen ihn besonders interessieren? Wenn Sie neu in der Pressearbeit und gerade erst ins Amt gekommen sind, stellen Sie sich vor. Während eines kurzen Telefonats oder bei einer Tasse Kaffee lassen sich erste Hürden abbauen. Schaffen Sie eine Grundlage für die zukünftige gemeinsame Arbeit, diese Grundlage sollte die Basis für gegenseitiges Vertrauen sein. Erkundigen Sie sich, wie die Redaktion der örtlichen Zeitung arbeitet. Dies erleichtert es Ihnen zu beurteilen, ob eine Pressemitteilung noch sinnvoll ist, oder lieber auf den nächsten Tag verschoben werden sollte und wann man dem Journalisten die Einladung für den Kreisparteitag zukommen lässt.

Entwickeln Sie ein Verständnis dafür, wie Journalisten arbeiten. Themen sind für diese dann relevant, wenn sie neu sind, einen hohen Nachrichtenwert haben und bei der jeweiligen Zielgruppe gesprächsrelevant sind. Sie werden die Geschichte “Postbote beißt Hund” besser verkaufen können als die umgekehrte, klassische Version. Überlegen Sie sich, ob ihr gewähltes Thema und die Form der Kommunikation zum jeweiligen Medium passt. Die Zeitung kann mit einer Pressemitteilung per E-Mail gut leben, der örtliche Radiosender bevorzugt wahrscheinlich einen mit dem Smartphone aufgenommen O-Ton.

Abstand halten und Exklusives preisgeben

Nicht nur in Zeiten der gegenwärtigen Corona-Pandemie gilt: Abstand halten. Wenn Sie Ihr Thema in der Redaktion bzw. beim zuständigen Redakteur platziert haben, gehen Sie diesem nicht durch permanentes Nachhaken auf die Nerven. Wenn Ihr Thema nicht aufgegriffen wird, prüfen Sie noch einmal, ob es auch einen Nachrichtenwert für die Medien bei Ihnen hatte und neu war. Wenn Sie doch nachhaken, dann bieten Sie dabei einen Mehrwert bzw. Zusatzinformationen wie Bilder oder weitere Zitate an. Journalisten freuen sich, wenn sie eine Story exklusiv haben. Sprechen Sie mit Ihrem Pressekontakt und bieten Sie das von Ihnen gespielte Thema diesem exklusiv mit zusätzlichen Hintergrundinformationen an. Wenn Sie das getan haben, halten Sie sich an die Vereinbarung. Noch einmal: Grundlage der Zusammenarbeit muss gegenseitiges Vertrauen sein.

Aufmerksamkeit und Kontaktpflege

Sie können anhand bereits veröffentlichter Beiträge sehen, für welche Themen sich der jeweilige Journalist besonders interessiert und über welche Geschichten er gerne schreibt. Machen Sie sich dies zu Nutze und recherchieren Sie doch einmal, wie der Journalist vorgeht. So werden Sie ihn besser verstehen. Auch wenn Sie mal kein Thema haben: Bleiben Sie in Kontakt. Treffen sie sich zum Mittagessen oder auf einen Kaffee mit den Journalisten und lernen Sie diese besser kennen. Je besser Sie einander kennen, umso größer wird das gegenseitige Vertrauen und damit verbessert sich die Zusammenarbeit.

Erreichbar und sprechfähig

Machen Sie es den Journalisten einfach und seien Sie erreichbar. Journalisten benötigen Informationen schnell und präzise. Eine Nachfrage kurz vor Redaktionsschluss, die noch von Ihnen beantwortet wird, hilft, Sätze wie „XY wollte sich nicht äußern“ oder „XY war für eine Stellungnahme nicht erreichbar“ zu vermeiden. Weiterhin gilt: Seien Sie sprechfähig. Das heißt, Sie sollten die Fragen der Journalisten beantworten können. Wenn das bei einer Nachfrage mal nicht der Fall ist, eiern Sie nicht herum. Erklären Sie, dass Sie die Antwort in Erfahrung bringen und sich zügig wieder melden werden. Haben Sie eine vernünftige Vertrauensbasis zum Journalisten aufgebaut, weiß dieser, dass er sich darauf verlassen kann.

Wenn Sie erreichbar und sprechfähig sind, können Sie ggf. auch noch Einfluss auf die Berichterstattung nehmen. Dies bedeutet nicht, dass Sie den Artikel des Journalisten „umschreiben“, aber mit einem richtigstellenden Zitat, oder einer Erklärung des gesamten Kontextes kann es gelingen, das ganze Bild und damit auch Ihre Position zu klären.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Zusammenarbeit von Journalisten, Pressesprechern und Mandatsträgern auf gegenseitigem Vertrauen und Verständnis für den anderen fußt. Beide Seiten brauchen einander. Der Journalist will eine gut recherchierte Geschichte und die Politik möchte ihre Themen und Positionen positionieren. Vom gegenseitigen Vertrauen kann besonders die politische Seite in der Krise profitieren. Wenn der Journalist weiß, dass Sie die Wahrheit sagen und verlässlich sind, wird er Ihnen in einer Krisensituation mit großer Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit einräumen, vernünftig Stellung zu nehmen. Daher bleiben Sie mit den Journalisten in Kontakt, versorgen Sie diese mit vernünftigen und richtigen Informationen und stellen Sie sicher, dass Ihre Aussagen und Handlungen das Vertrauen der Journalisten genießen.

Über den Autoren

Ralph Makolla ist seit 13 Jahren in verschiedenen Sprecherfunktionen tätig. Seit 2015 ist er Pressesprecher der CDU in Niedersachsen, seit 2017 auch Pressesprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag.

Um einen Kommentar zu hinterlassen, melden Sie sich bitte hier an.

Empfohlene Beiträge

Expertenbeitrag
Linda Kotterba
Expertenbeitrag
Dr. Stefan Hennewig
Expertenbeitrag
Christian Meyer
Expertenbeitrag
Jakob Wöllenstein & Team Auslandsbüro Belarus (KAS e.V.)
Expertenbeitrag
Egon Huschitt