Expertenbeitrag

Welche Zutaten braucht das perfekte politische Foto?

#irgendwasmitpferden, ein grünes Sakko oder die schöne Kulisse wie das Schloss Herrenchiemsee und fertig ist das politisch wirkmächtige Foto? In Berlin-Mitte und auf Twitter sind die Kenner unterwegs und riechen die politische Inszenierung sofort 20 Megapixel gegen den Wind. Sie glauben, dass mit einem „Absicht erkannt, Einfluss gebannt“ alles geregelt sei. Das Schöne an Bildern ist, dass man sie nicht mit Worten „weg-argumentieren“ kann. Sie wirken trotzdem. Aber wie fange ich an, wenn ich meinem Kandidaten oder meiner Kandidatin ein „Image“ verpassen will?

Im Grunde beginnt es mit der Einsicht, dass das Bild (und das Bewegtbild) wie das gesprochene oder geschriebene Wort in der politischen Kommunikation die Aufgabe hat, eine politische Aussage zu unterstreichen bzw. deutlich zu machen. Es geht darum, dass jedes Bild auf das Ansehen des Politikers oder der Politikerin einzahlen muss.

Erst Planen, dann Fotografieren

Bevor ich als Referent nun anfange, Fotokurse zu belegen und die Chefin ab sofort bei jeder Parteisitzung und jedem Vor-Ort-Termin abzulichten und in jedes „soziale“ Netzwerk zu stecken, ist es nicht verkehrt, innezuhalten und auf einer DIN A4-Seite aufzuschreiben, was eigentlich meine Absichten sind: Wer soll wann welche Bilder der Politikerin sehen und was soll das bewirken? Da kommen plötzlich Kategorien hinein wie „Zielgruppen“, „Formate“, „Häufigkeit der Beiträge“, aber auch Stilistik sowie Thematik der Bildbeiträge.

Es gibt nicht die eine Zauberformel, nach der jede politisch Tätige mit Bildern agieren sollte. Für wen mache ich eigentlich Politik? Welche Themen interessieren diese Menschen? Was könnte diese Menschen veranlassen, bei mir und nicht bei meinem politischen Wettbewerber das Kreuzchen am Wahltag zu machen.

Ganz grundsätzlich gibt es in der visuellen Kommunikation die Regel, dass es „konkret“ sein muss, um zu wirken. Ein grünes Sakko ist schön, aber regelmäßige Bilder von Diskussionen mit Umweltschützerinnen und Bildern vom Kandidaten in der Natur sind konkreter. Das eine ist eine theoretische Aussage, höchstens ein Versprechen, das andere wäre eine Dokumentation realen Interesses. Wenn ich möchte, dass mich die Gewerbetreibenden in meinem Wahlkreis wählen, kann ich mich mit einem Buch von Ludwig Erhard fotografieren lassen oder ich gehe hin zu den Treffen der Wirtschaft, ich besuche Firmen und zeige das dann im Bild.

Zusätzlich zur Foto-Kategorie „Ich setze mich politisch für Sie ein“ (bin vor Ort, höre zu, lese, redigiere, setze um, generell: tue was / arbeite für Sie) gibt es noch die Foto-Kategorie „Ich bin ein guter Mensch“ (Ich liebe meine Familie/meinen Partner, treibe Sport, nehme am gesellschaftlichen Leben teil, bin kulturinteressiert, fahre in den Urlaub oder ich koche gerne). Auch dieses Metier hat Alt-Bundeskanzler Dr. Helmuth Kohl hervorragend beherrscht. Die vielen Bilder aus St. Gilgen am Wolfgangsee haben immer auf das Image des Kanzlers als vertrauenswürdiger Familienvater eingezahlt. Dass es hinter den Kulissen auch nicht immer einfach war, ist kein Argument, solche Fotos grundsätzlich abzulehnen. Man darf es nur nicht übertreiben: Wer unverbindliche, anonyme Treffs in Bars einem Familienleben vorzieht, sollte sich nicht ständig als „Familienmensch“ ablichten lassen, weil es irgendwann herauskommt und der Fall tief sein wird. Die Wählerinnen und Wähler akzeptieren heute so gut wie jeden privaten Lebenswandel, solange er halbwegs offen dargelegt wird und mit den Grundsätzen der jeweiligen Politik kompatibel ist. Also: Nicht verstellen, sondern die guten Seiten des eigenen privaten und beruflichen Wirkens auch im Bild zeigen.

Die schlechte Nachricht: Mit einem einmaligen „Jetzt lass uns mal ein schönes Foto machen!“ ist es nicht geschehen. So wie jede gute Abgeordnete, jeder gute Politiker mit großer Regelmäßigkeit Pressemitteilungen und Meinungsbeiträge veröffentlicht oder Interviews gibt, so ist auch eine kontinuierliche Arbeit am visuellen Profil zwingend notwendig. Das Bild ist im Grunde die Basis und die Abkürzung zu den politischen Inhalten. Wer mich in der Zeitung oder bei Facebook ständig auf dem Fahrrad sieht, der liest auch irgendwann meinen Meinungsbeitrag zur umweltfreundlichen Mobilität. Ist in meinem Wahlkreis eine große Automobilfirma ansässig und viele Facharbeiterinnen und Facharbeiter dieses Unternehmens, dann setze ich mich auch mal ins Auto. Als Umweltfreund kann ich mich ja auch in die neue Wasserstoff- oder Elektrovariante setzen.

Kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus

Das ist die Theorie, welche Inhalte in meinen politisch wirksamen Bildern vorkommen sollten. Aber was ist mit der Gestaltung der Bilder? Am ehesten lohnt sich hier ein Blick auf die üblichen Gestaltungsmittel des Films: Lichtsetzung, Perspektive, warme oder kalte Farben, Anordnung der Personen nach inhaltlicher Wichtigkeit. All das sprengt den Rahmen dieses Beitrags. Vieles lässt sich „nach Gefühl“ selber oder von einem Mitarbeiter machen. Für ein paar zentrale Bilder (Standardsportraits und wirklich wichtige Termine) lohnt es sich, einen Profi zu beauftragen und mit ihm oder ihr zu besprechen, was am Ende dabei herauskommen soll.

Die kontinuierliche Arbeit am "Image" des Politikers zahlt sich langfristig aus. Nicht jeder wird zum Pferdeflüsterer oder Schlossherrn. Wer aber im Bild auch nur ein wenig besser ist als seine direkten Mitbewerberinnen, der hat mehr Chancen, dass ihm oder ihr jemand zuhört, wenn es um politische Inhalte und Programme geht.

Hier noch einige Beispiele aus der Praxis:

​​​Bundeskanzlerin Angela Merkel MdB im Mittelpunkt
Eine ungewöhnliche Perspektive kann Sie in den Mittelpunkt rücken.

Foto: Frank Nürnberger

 

Peter Beyer MdB, Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit
Manchmal darf es auch plakativ und repräsentativ sein, um einen inhaltlichen Schwerpunkt zu kommunizieren.

Foto: Frank Nürnberger

 

Staatsministerin Dorothee Bär MdB und Henry Kissinger
Nutzen Sie die Gelegenheit und machen Sie ein schönes Foto mit bekannten Menschen. Es färbt immer ab :-)

Foto: Frank Nürnberger

 

Götz Friederich (CDU Potsdam)
Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt in der Verkehrspolitik? Ein gut gewählter Hintergrund verbindet Sie mit dem Thema.

Foto: Frank Nürnberger

 

Über den Autor:

Frank Nürnberger fotografiert seit über 20 Jahren Politik und politisches Umfeld in Berlin.

 

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