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Wie gewinne ich eine Bürgermeisterwahl?

Erfahrungen aus einer gewonnenen Kampagne

1. Analysieren Sie die Ausgangslage!

Eine Kampagne ist eine zeitlich befristete Aktion mit einem definierten Ziel – dem Wahlsieg. Damit sich am Wahltag der gewünschte Erfolg einstellt, gibt es viel zu tun. Doch wo fängt man an?

Gut investiert ist sicherlich die Zeit, die man sich vor dem Kampagnenstart für die Analyse nimmt. Los geht es mit der zentralen Frage: Welche Themen bewegen die Menschen bei der anstehenden Wahl und für welche Themen kann ich als Kandidat glaubwürdig stehen?

Einen großen Unterschied macht es natürlich, ob ich diese Frage als Amtsinhaber oder als Herausforderer beantworte. Abhängig von der Ausgangslage sollten die Themenschwerpunkte für die unterschiedlichen Zielgruppen ableitet werden.

Bedenken Sie dabei bitte auch, ob es Wählergruppen gibt, die nicht nur aufgrund der Themenstellung, sondern auch wegen ihrer Größe oder ihrer Mobilisierungsfähigkeit (Hochburgen!) relevant sein können. Wichtige Multiplikatoren sind Verbände und die Gliederungen der Partei, doch darf man nicht nur auf die „natürlichen“ Unterstützer schauen, sondern muss auch die Menschen im Blick haben, die sich gegen die Vorschläge positionieren.

Um am Wahltag eine Mehrheit zu erreichen, kann es notwendig sein, auf die Wähler der anderen Parteien zuzugehen und ein überzeugendes Angebot zu machen – gerade wenn eine Stichwahl ansteht. Bei der Analyse ist es deshalb sinnvoll, bereits vorab zu überlegen, an welcher Stelle ein Kompromissangebot möglich wäre.

2. Erst die Partei, dann die Wähler

Bevor man die Chance bekommt, für seine politischen Ideen bei einer Wahl zu werben, gilt es erst die eigenen Leute zu überzeugen. Die parteiinterne Nominierung entwickelt sich manchmal zur Hürde, deshalb ist es wichtig, vorab zu klären, ob die Partei sich einig ist oder ein weiterer Kandidat aus dem eigenen Lager seinen Hut in den Ring wirft. Wenn der parteiinterne Wettstreit zu tiefen Gräben führt, erschüttert das oft auch außerhalb der Partei das Vertrauen in die Problemlösungskompetenzen der Kandidaten. Das macht einen Wahlsieg fast unmöglich!

3. Entwickeln Sie eine Strategie bis zum Wahltag (Stichwahl nicht vergessen)!

Jetzt wird es konkret. Sie haben bereits für sich entschieden, mit welchen Themen Sie in die Kampagne einsteigen wollen. Nun geht es darum, das eigene Image zu entwickeln und falls nötig, das Themenspektrum zu erweitern. Um dabei möglichst überzeugend zu bleiben, kann es hilfreich sein, sich mit anderen zusammenzutun und von deren Glaubwürdigkeit zu profitieren.

Zur Strategie gehört aber nicht nur eine gute Themen-, sondern auch eine effiziente Ressourcenplanung, denn in der Regel ist ein Wahlkampf nichts für Einzelkämpfer. Jeder braucht eine Mannschaft – Leiter, Orga, Finanzen, Presse, Social Media –, mit der man die Strategie und den Wahlkampf kontinuierlich fortentwickelt und an neue Aspekte anpasst! Dabei ist wichtig: Offenheit und Kritikfähigkeit.

4. Kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit: Grundrauschen und Leuchttürme

Mit seinen Themen den Bürger zu erreichen, wird angesichts der vielfältigen Kommunikationskanäle immer schwieriger. Unterschiedliche Zielgruppen erfordern unterschiedliche Themenschwerpunkte und klar ist auch, dass nicht jede Botschaft auf jedem Kanal funktioniert.

Wichtig ist deshalb: Stimmen Sie Ihre Meldungen auf die jeweiligen Zielgruppen ab. Dabei sagen Bilder oft mehr als 1000 Worte – auch in der Zeitung. Auf den Social Media-Kanälen empfiehlt sich eine kontinuierliche Kommunikation (mind. 4 Posts pro Woche) und eine Bildsprache, die zum jeweiligen Kanal passt. Inhaltliche Themen lassen sich gezielt in Form von Bürgerversammlungen oder themenspezifischen Zukunftswerkstätten platzieren. Einmalige Leuchtturmveranstaltungen sorgen dafür, dass Sie im Gespräch mit den Menschen bleiben – z.B. beim Maibaum, Zunftfest, Oktoberfest oder dem Bürgerpreis.

5. Nach der Arbeit wird gefeiert: Wahlparty und Helferfest

Für den Wahlsieg haben viele mit viel Idealismus gearbeitet. Egal wie es ausgegangen ist: Mit einem gemeinsamen Helferfest nach dem Wahltag sagt man Danke und zeigt den Menschen, dass man ihren Einsatz schätzt!

 

Über den Autor:

Prof. Dr. jur. Ulli Meyer ist seit Oktober 2019 Oberbürgermeister der Mittelstadt St. Ingbert im Saarland. Zuvor war er Stellvertreter des Chef der Staatskanzlei und seit 2017 Staatssekretär für Finanzen im saarländischen Ministerium für Finanzen.

Pascal Rambaud ist Politischer Geschäftsführer der CDU Saarpfalz und Vorsitzender der CDU St. Ingbert.

 

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