Expertenbeitrag

Wie sich Frauen in Führungspositionen durchsetzen: 5 Erfolgsfaktoren, auf die es ankommt

Nicht erst seit ein bekannter Berliner Komiker ganze Abende und große Bühnen mit diesem Thema füllt, ist uns allen klar: Frauen und Männer leben in unterschiedlichen Sprachwelten! Diese stereotype Kommunikation bietet eine Steilvorlage für Schwarz-Weiß-Malerei zwischen den Geschlechtern. Selbstverständlich gibt es „solche und solche“ in beiden Welten, also Frauen und Männer, die von den Stereotypen abweichen. Doch eine digitalere Darstellung als in der Realität hilft, die Vielfalt der Themen zu durchschauen und auf den Punkt zu bringen.

Also: Frauen kommunizieren anders als die meisten Männer - und sie interpretieren auch anders, was häufig zu Missverständnissen zwischen den Geschlechtern führt. So werden der von Frauen gerne genutzte Konjunktiv (hätte, wäre, würde...) und die geliebten Füllwörter (vielleicht, eventuell...) in der Männerwelt eher als Erfolgs- und Karriereverhinderer gesehen, da diese Art der Kommunikation umständlich und unentschieden wirkt. Dabei wollen Frauen doch nur höflich, vorsichtig, wertschätzend und umsichtig sein. Gerade in knallharten Verhandlungen geht es Frauen oft darum, nicht nur daran teilzunehmen, sondern nebenbei auch noch gemocht zu werden. Sie erachten gute Beziehungen und ein harmonisches Miteinander als wichtig und vermeiden daher möglichst verbale Angriffe.

Frauen geht es auch häufig darum, Inhalte richtig, genau und detailliert darzustellen. Sie beschreiben Themen dabei oft etwas zu ausführlich, wodurch sie zu umständlich wirken, nicht auf den Punkt kommen und so zu spät ihre Lösungsvorschläge bringen. Dabei schwingt zusätzlich manchmal etwas Emotionales mit oder sie rechtfertigen sich unnötigerweise oder zu schnell für ihre Meinung. Besser und zielführender ist es, aktiv, klar, kurz und punktgenau nach der beliebten KISS -Formel (Keep It Short and Simple) zu kommunizieren, auch wenn das in dem

einen oder anderen Fall eine Reibungsfläche bietet. Na und? Männer haben i.d.R. den größeren Redeanteil und gehen ganz nach dem Motto vor „Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem!“. Frauen dagegen stören sich oft an Redundanzen und bleiben daher lieber still. Dabei gibt es genug Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen, indem man eine kurze Zwischenbilanz zieht, die besprochenen Inhalte zusammenfasst oder intelligente Fragen stellt.

​​​​​​​Auf diese 5 Erfolgsfaktoren kommt es an:

1. Aktiv werden

Kreativ sein, sich zu Wort melden, die eigene Persönlichkeit und Meinung in unterschiedlichen Formaten und auf verschiedenen Wegen kundtun statt passiv, artig und geduldig darauf warten, irgendwann gefragt zu werden.

2. Mutig sein

„Mut zum Auftritt!“, d.h. mutig die eigene Komfortzone verlassen, loslaufen und sich etwas trauen. Und das auch und gerade dann, wenn das Umfeld neu, ungewohnt, noch etwas wacklig und unbequem ist. Der eigene Auftritt muss regelmäßig trainiert werden. Es dauert, bis man seinen eigenen, authentischen Stil gefunden hat.

3. Selbstmarketing betreiben

Selbstbewusst die diversen Techniken und Wege des Personal Brandings nutzen. Die „Marke Ich“ erkunden, Freude daran haben, die eigenen Stärken zu leben, darzustellen und zu vermarkten und sich dadurch weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch, aufzuräumen mit Blockaden, Selbstzweifeln und Unsicherheiten.

4. Netzwerke aufbauen und pflegen

Regelmäßig „Extrazeit“ ins Netzwerken investieren, Relationship-Kompetenz und Kontakte aufbauen. Lobbyarbeit in eigener Sache betreiben. Das ist zwar ein permanenter und anstrengender Dauerlauf, der sich aber auszahlt durch das Multiplizieren und Sichtbarmachen der „Marke Ich“, des individuellen Könnens und der persönlichen Leistungen.

5. Durchhaltevermögen stärken

Dranbleiben und sich von Rückschlägen und Umwegen nicht beirren lassen. Versuchen, Niederlagen positiv zu sehen und als Möglichkeit der Weiterentwicklung zu verstehen. Auch die Tatsache, dass wir beispielsweise seit vielen Jahren eine Bundeskanzlerin haben, macht aus der Politik noch keine Hochburg für Frauen in Führungspositionen. Die durch die Überzahl immer noch eher männlich geprägten Macht- und Managementstrukturen und die damit einhergehenden Denk- und Verhaltensweisen können von Frauen und Männern nur gemeinsam, und zwar zielgerichtet und Schritt für Schritt verändert werden!

Es ist sinnvoll, eine Brücke zueinander zu bauen, indem Frauen einerseits das seit sehr vielen Jahren gelebte männliche Regelwerk verstehen, andererseits ihre ureigenen Fähigkeiten und Stärken erkennen und einbringen, mit denen sie in einem männlich dominierten Umfeld erfolgreich kommunizieren können. Dadurch werden sie zu „Mitgestalterinnen auf Augenhöhe“.

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Über die Autorin

​​​​​​​Christiane Bischof ist Kommunikations-, Medien- und Performancetrainerin. Sie berät vor allem Führungskräfte und Unternehmen.

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LK
lilli kosiol Vor 8 Monaten

Ein sehr wichtiges Thema!

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