Mythos: „Die DDR war der bessere deutsche Staat“

 

Dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wandelt sich ihr Bild – weg vom Stasi-Staat, hin zu einer Art sozialem Paradies. Selbst bei denen, die die Diktatur noch am eigenen Leib erlebt haben, verdrängen gelegentlich idealisierte Bilder die Lebenswirklichkeit eines diktatorischen Regimes. So wird der Sozialismus „schön geredet“ und ein realistischer Blick auf die DDR-Realität verhindert: Ordnung habe geherrscht, Arbeit habe es genug gegeben, die soziale Absicherung sei umfassend, die Frauen gleichberechtigt, das Bildungswesen und die medizinische Versorgung hervorragend gewesen, und schließlich habe die DDR als das leistungsfähigste Land im sozialistischen Lager zu den zehn wirtschaftsstärksten Staaten der Welt gehört.

Versorgungsdiktatur

Beatrix Bouvier kommt in ihrer Analyse der vermeintlichen „Errungenschaften“ der DDR zum Ergebnis,  dass die DDR kein Sozialstaat, sondern allenfalls eine „Versorgungsdiktatur“ gewesen sei: Die Rundumversorgung auf niedrigem Niveau habe Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit und eine gewisse gemeinschaftliche Gleichheit geboten und eine "wichtige Legitimationsfunktion" erfüllt:  Soziale Absicherung als Gegenleistung für den Verzicht auf demokratische Rechte. Jedoch war „das Mehr an sozialer Sicherheit war mit einem Mehr an Überwachung und Polizeistaat verbunden“.

Lebenserwartung

Ab Mitte der 1970er Jahre stieg die Lebenserwartung in der DDR weit langsamer als in der Bundesrepublik.  1989 starben in der DDR Männer mit durchschnittlich 70,1, Frauen mit 76,4 Jahren; in der Bundesrepublik wurden Männer statistisch 72,6 und Frauen 79 Jahre alt. Die Lebenserwartung  hängt vor allem von den Lebensumständen ab und ist ein wichtiger Indikator der gesellschaftlichen Modernität. Hierzu gehört wesentlich die Qualität der medizinischen Versorgung. Hinzu kommen Arbeits- und Umweltbedingungen sowie Ernährungsgewohnheiten. Höher als in der Bundesrepublik war in der DDR auch die Selbstmordrate (durchschnittlich 2,8 pro 10.000 Einwohner gegenüber 2,0 in der Bundesrepublik).