DDR - Mythos und Wirklichkeit

„Das Gefühl, dem Westen gegenüber benachteiligt zu sein, erzeugt eine falsche Solidarität mit allem, was aus dem Osten kommt, und verhindert einen realistischen Blick auf die ehemalige DDR, die um so rosiger wird, je mehr Zeit vergeht“, schreibt der Theologe Richard Schröder über die deutsche Einheit.


"Wir sollten uns mehr mit dem Alltag in der Diktatur beschäftigen, mit den Mechanismen der Anpassung, mit dem System der Angst," forderte Roland Jahn bei seiner Antrittsrede als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

In den fast dreißig Jahren seit der Wiedervereinigung hat sich die Erinnerung an das Leben im real existierenden Sozialismus zusehends verklärt. Schon 1991 befand der Schriftsteller Rolf Schneider, dass sich „aus diffusen Gefühlen und Erinnerungen“ „das Bild einer DDR“ entwickelt habe, „die so nie existiert hat“. Besonders junge Leute wissen wenig über den Arbeiter- und Bauernstaat. So stellen deutsche Schüler/innen der DDR ein erstaunlich positives Zeugnis aus. Vor allem ostdeutsche Jugendliche neigen zu posthumer Verklärung, wie eine deutschlandweite empirische Studie des Forschungsverbunds SED-Staat an der FU Berlin schon vor Jahren zeigte. Hier ist Abhilfe nötig, geht es doch um das Lernen aus der leidvollen Erfahrung von zwei Diktaturen auf deutschem Boden. Deshalb soll die beigestellte Übersicht als kleines Lexikon, das sich mit den aktuellen Mythen und Legenden zur Lebenswirklichkeit in der DDR befasst, dienen.