Mythos: „In der DDR gab es kein Drogenproblem“

Aufgrund der begrenzten Reisemöglichkeiten und der restriktiven Grenzkontrollen gab es in der DDR so gut wie keinen Konsum illegaler Drogen. Die Tatsache, dass die Mark der DDR eine nicht frei konvertierbare Binnenwährung war, war ebenfalls von Bedeutung, denn der „Markt DDR“ war für die internationalen Drogenkartelle uninteressant.

Medikamentenmissbrauch

In der DDR weit verbreitet war dagegen der Medikamentenmissbrauch. Besonders häufig und in hohen Dosen wurden Schlafmittel und Tranquilizer konsumiert.

Alkoholkonsum

Aber die „Volksdroge Nummer 1“ war der Alkohol, der im Gegensatz zu vielen anderen Produkten keine Mangelware war. Im Pro-Kopf-Verbrauch erreichte die DDR internationale Spitzenwerte. Alkohol wurde von allen Bevölkerungsschichten in großen Mengen konsumiert. 1955 lag der Verbrauch bei 4,4 Liter Weinbrand, Klarem und Likör, 1988 waren es 16,1 Liter Spirituosen pro Kopf der Bevölkerung. Die Menge entspricht 23 Flaschen für jeden, vom Baby bis zum Greis. Hinzu kamen noch 142 Liter Bier und 12 Liter Wein und Sekt. Im Jahr 1988 war der Spirituosenkonsum in der DDR zweieinhalb Mal so hoch wie in der Bundesrepublik. International ging die DDR 1987 vor Ungarn und Polen in der Statistik in Führung. In den 1980er Jahren waren mehr als die Hälfte der Krankenhauseinweisungen von Männern direkt oder indirekt alkoholbedingt.

Reaktionen der Staatsführung und der SED

Der sorglose Umgang mit Alkohol stand in völligem Gegensatz zur offiziellen Linie von Staatsführung und Partei, die das Bild einer „nüchternen DDR“ propagierten. Alkoholmissbrauch sei ein „kapitalistisches“ Phänomen, das mit dem „Aufbau des Sozialismus“ zunehmend verschwinden werde.

Folgen des Alkoholmissbrauchs

Erst 1988 greift die beliebte Krimi-Serie „Polizeiruf 110“ im DDR-Fernsehen die Konsequenzen des übermäßigen Alkoholkonsums auf. Die Folge „Amoklauf“ thematisiert das Autofahren unter Alkoholeinfluss. In einer anschließenden Gesprächsrunde zum Thema „Alkohol am Steuer“ werden Zahlen genannt, die später in der Zeitschrift "Neue Zeit" wiederholt werden: Jeder zehnte Unfall geschehe unter Alkoholeinfluss, dabei seien im Jahr 1987 259 Menschen getötet worden, und ca. 30.000 Fahrer hätten wegen alkoholisierten Fahrens  ihren Führerschein abgeben müssen. Weder das Verbot von Alkohol am Steuer noch verkehrspolizeiliche Kontrollen oder drastische Strafen konnten das Problem lösen.