Alternativen zum Wahl-O-Mat

Seit 2002 wurde der WahlOMat der Bundeszentrale für politische Bildung bei insgesamt 42 Wahlen als Entscheidungshilfe angeboten und bis zum Mai diesen Jahres insgesamt 50 Millionen Mal genutzt. Mittlerweile hat sich das Prinzip rumgesprochen und es tauchen immer mehr WahlOMaten auf. Dieser Blogbeitrag stellt neun solcher Alternativen vor:

Der Klassiker: Der WahlOMat
Wahlswiper – Wahl-o-mat meets Tinder
Bundeswahlkompass – „Wo geht's lang, Captain?"
Wahlnavi – Wahlhilfe vom Privatfernsehen
DeinWal.de
DigitalOMat
AgrarOMat
Science-O-mat
SteuerOMat
SozialOMat

 

Der Klassiker: Der WahlOMat

Screenshot Wahl-O-matDer WahlOMat stellt den zur Bundestagswahl stehenden Parteien 38 Thesen bzw. Aussagen zur Verfügung. Die Parteien beantworten diese mit Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung. Im Browser oder in der App können Wählerinnen und Wähler diese 38 Aussagen ebenfalls beantworten und im Anschluss ihre Antworten mit denen der Parteien vergleichen (prozentuale Übereinstimmung). Einzelne Themen können vorher priorisiert werden, sodass Bereiche, welche für den Anwender persönlich von größerer Bedeutung sind, stärker ins Gewicht fallen.
Die Aussagen werden von jungen Wählern, Politikwissenschaftlern und Statistikern erarbeitet. Für die Bundestagswahl haben insgesamt 32 von 33 Parteien diese Aussagen beantwortet. Nur die Partei für Gesundheitsforschung lieferte keine Antworten.  Ein Erklärfilm zur Entstehung des WahlOMat findet sich auch auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

Vorteile und Kritik

Der WahlOMat dient zur Entscheidungshilfe und als Informationswerkzeug. Die Bundeszentrale für politische Bildung macht jedoch immer wieder darauf aufmerksam, dass er keine Wahlempfehlung darstellt. Die Vorteile eines solchen Tools liegen auf der Hand: Wählerinnen und Wähler müssen sich nicht in Wahlprogrammen, Zeitungen und Internetseiten mühsam vergleichbare Thesen zusammensuchen um herauszufinden, welches Programm ihren eigenen Aussagen und Vorstellungen am besten entspricht. Allerdings wird genau das seit dem Entstehen des WahlOMat auch immer wieder kritisiert. So wird bemängelt, dass komplizierte politische Fragen und Sachverhalte nicht auf eine einfache Ja oder Nein Antwort herunterzubrechen seien und die Parteien nur sehr geringe Möglichkeiten haben, ihre Vorstellungen darzulegen. Die Wählerinnen und Wähler kommen also trotz WahlOMat nicht darum herum, sich mit den Programmen und Themen der für sie in Frage kommenden Parteien auseinanderzusetzen. Hierzu verlinkt der WahlOMat bei jedem Themenfeld auf die entsprechende Informationsseite der BpB.

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Wahlswiper – WahlOMat meets Tinder

Screenshot WahlswiperDie erste Alternative ist eine Mischung aus dem WahlOMat und Tinder: Der Wahlswiper funktioniert als App, Web-Anwendung und für Amazons Sprachassistent Alexa und ist besonders für Erstwähler konzipiert, denn die Fragen entstanden von Schülern in Zusammenarbeit mit Politikwissenschaftlern der Ludwig-Maximilian-Universität München.

Die Wählerinnen und Wähler haben im Wahlswiper 30 Fragen zu beantworten, die, ähnlich wie beim WahlOMat, zuvor von insgesamt 27 Parteien beantwortet wurden. Das bewährte „Tinderprinzip" kommt in der Funktion zum Tragen: Für „Ja" wischt man nach rechts, für „Nein" nach links. Kann man sich nicht entscheiden, gibt es die Möglichkeit, die Frage auszulassen. So soll festgestellt werden, mit welcher Partei man „matcht".
Über der Frage findet man animierte Erklärvideos von etwa dreißig Sekunden Länge, welche den Hintergrund  jeder Frage noch einmal umreißen und grob das Für und Wider skizzieren. Zur Auswertung können Statements der Parteien angezeigt werden, sowie die jeweilige Übereinstimmung bei den Antworten.

Vorteile und Kritik

Eine moderne Funktionsweise und die entsprechenden Erklärvideos sorgen dafür, dass das Tool gerade Erstwähler anspricht. Somit werden Informationen zu den Themen schnell und anschaulich zur Verfügung gestellt. Auch hier gilt allerdings das altbekannte Defizit, das schon aus dem WahlOMat bekannt ist: Die Videos bieten aufschlussreiche Anhaltspunkte, ersetzen jedoch nicht die ausführlichere Meinungsbildung, denn auch bei Wahlswiper wurden komplexe Fragen stark vereinfacht.

Daneben wird in der Auswertung zwar die prozentuale Übereinstimmung mit den verschiedenen Parteien dargelegt, jedoch kann nicht die fragenspezifische Übereinstimmung für jede Frage angezeigt werden. Eine Begründung der Parteien zu den einzelnen Fragen sucht man ebenfalls vergeblich.

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Bundeswahlkompass – „Wo geht's lang, Captain?"

Screenshot BundeswahlkompassIm Gegensatz zum Wahlswiper kann der Bundeswahlkompasses auch im Browser und nicht ausschließlich als App genutzt werden. Entstanden ist er in Kooperation von Wissenschaftlern/innen mehrerer deutscher Universitäten auf der einen, und der niederländischen Firma Kieskompas auf der anderen Seite. Kieskompas wurde von der Freien Universität Amsterdam mitbegründet und ist spezialisiert auf die Aufarbeitung komplexerer Zusammenhänge für ein breiteres Publikum und die Entwicklung von Online-Wahlhilfen.

Die 30 Fragen beim Bundeswahlkompass lassen zwar ebenfalls die Komplexität der Fragestellung außer Acht, jedoch werden dem Nutzer insgesamt sechs Antwortmöglichkeiten von „Stimme vollkommen zu" bis „Stimme überhaupt nicht zu" oder „keine Meinung" gegeben.

Deutlich umfangreicher als beim WahlOMat ist daher auch die Auswertung: Anhand von Aussagen der politischen Parteien und ihrer Führungskräfte haben die Wissenschaftler deren Antworten auf die Fragen herausgearbeitet. Die Ergebnisse beruhen also nicht auf der Selbsteinschätzung der Parteien, sondern auf Aussagen, die in der Vergangenheit getroffen wurden. Die Quelle kann jeweils in Zitatform angezeigt werden. Daneben erhalten die Parteien die Möglichkeit, sich selbst zu positionieren.

Die eigene Position zu den Fragen kann, entweder nach Partei oder nach Themengebiet geordnet, mit denen der Parteien verglichen werden. Daneben werden die Eigen- und Parteienantworten in einem Koordinatensystem vergleichend dargestellt. Die horizontale Achse steht dabei für die grundlegende Einstellung in der Wirtschaftspolitik, das heißt von möglichst viel („Links") bis möglichst wenig („Rechts") staatlichem Einfluss. Die vertikale Achse ordnet die Positionen von „Konservativ" (unten) bis „Progressiv" (oben), wobei eine konservative Partei „eher traditionelle Werte- und Lebensvorstellungen" vertritt und die „Bedeutung des Nationalstaates betont". Eine progressive Partei wird entsprechend gegenteilig eingeordnet. Je näher die eigene Markierung also insgesamt dem Symbol einer Partei ist, umso größer ist die Übereinstimmung mit ihr.

Vorteile und Kritik

Das Auswertungsschema ist weitaus komplexer als beispielsweise jenes vom Wahlswiper: Der Benutzer kann besser vergleichen und Themen gewichten, indem einzelne Themengebiete „abgeschaltet werden", d.h. für die Positionierung im Koordinatensystem nicht mehr berücksichtigt werden. Selbstverständlich muss aber auch der Bundeswahlkompass dabei verallgemeinern. Dies wird beispielsweise anhand der besonders einfach gestellten Fragen deutlich.
Dass die Parteien anhand ihrer Aussagen und nicht ihrer Selbsteinschätzung zugeordnet werden, kann als Innovation, aber auch als falscher Ansatz betrachtet werden. Schließlich weiß der Benutzer nicht, wie die herangezogenen Quellen bewertet und gewichtet werden oder wo Aussagen aus dem Kontext genommen wurden. Und die Möglichkeit der Parteien, noch einmal unabhängig von der wissenschaftlichen Bewertung Stellung zu nehmen, wurde dabei leider wenig genutzt.

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Wahlnavi – Wahlhilfe vom Privatfernsehen

Screenshot WahlnaviDas Wahlnavi wurde von der Firma „Vox Pop Labs" für die „RTL interactive group" entwickelt, welche für die Privatsender „RTL", „RTL II" und „ntv" verantwortlich ist.

Auch im Wahlnavi werden 30 Fragen auf einer fünfteiligen Skala von „Stimme überhaupt nicht zu" bis „Stimme voll und ganz zu" oder „weiß nicht" beantwortet. Die Fragen decken dabei viele aktuell diskutierte Themen ab und sind mal konkreter, mal allgemeiner, mal relevanter, mal banaler.

Die Antworten der Parteien wurden zum Teil, ähnlich wie beim Bundeswahlkompass durch Aussagen aus Programmen und von Spitzenpersonen, sowie durch eine direkte Anfrage bei der Partei gewonnen. Diese Statements sind allerdings nicht einsehbar. Die beiden Ergebnisse wurden nach eigener Aussage „kritisch abgeglichen", es wurde also, sollten sich die Aussagen nicht überschnitten haben, eine Wertung  vorgenommen.               

Neben der Beantwortung der Fragen wird der Benutzer dazu aufgefordert, die Parteien und ihre Spitzenpolitiker auf einer Skala von 1-10 zu bewerten. Dies beeinflusst das Endergebnis allerdings nicht, diese Daten werden vielmehr für eigene Statistiken von RTL erhoben.

Vorteile und Kritik

Die Auswertung der Ergebnisse ist sehr umfangreich und dennoch erstaunlich übersichtlich dargestellt. Die Bewertung der Positionen erfolgt zum einen in einem Koordinatensystem ähnlich dem des Bundeswahlkompasses. Zum anderen wird die prozentuale Übereinstimmung mit den Parteien und die Positionen der Parteien zu den jeweiligen Fragen angegeben. Zu den großen Stärken des Wahlnavis gehört, dass eine Gewichtung der verschiedenen Themengebiete – mit je zwei bis drei Fragen – auf einer Skala von eins bis zehn vorgenommen werden kann. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass beispielsweise die Position, ob Verhütungsmittel in Deutschland von den Krankenkassen bezahlt werden sollten, nicht den gleichen Stellenwert wie der deutsche EU-Verbleib hat.

Insgesamt fällt auf, dass das Wahlnavi von Privatsendern in Auftrag gegeben wurde: Viel großflächiger wird angeboten, die Ergebnisse auf Facebook zu teilen, ausführlichere Angaben zur Person zu machen, eine E-Mail- Adresse anzugeben oder auf den Nachrichtenseiten der Sender die neuesten Informationen zur Wahl einzuholen. Auffällig ist auch, dass man vor Beginn des Tests aufgefordert wird, seine Postleitzahl anzugeben. Die Daten werden, wie bei den anderen Seiten auch, zu statistischen Zwecken anonym, sofern nicht andere Angaben gemacht wurden, gespeichert. Beim Wahlnavi sollte man also im Hinterkopf behalten, dass dahinter private Firmen stehen und keine Universitäten oder Bundesbehörden.

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DeinWal.de

Screenshot DeinWalDeinWal setzt auf ein gänzlich anderes Konzept als die bisher vorgestellten Alternativen. Hier wird das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten damit verglichen, wie man selber im Bundestag abgestimmt hätte. Entwickelt von einem System- und einem Entwicklungsingenieur aus Rostock, präsentiert DeinWal.de Debatten und Abstimmungen zu unterschiedlichsten Themen aus der vergangenen Legislaturperiode. Die Seite umreißt das Thema kurz, dann soll der Nutzer abstimmen. Am Ende wird verglichen, wie viel Überschneidungen man mit der Abstimmung der CDU/CSU, mit der SPD, mit den Linken, oder den Grünen gehabt hätte. Dazu werden jeweils ausführlichere Links zum Thema, das tatsächliche Abstimmungsergebnis und Debattenbeiträge im Bundestag verlinkt.

Vorteile und Kritik

DeinWal ist ohne Zweifel ein interessantes Konzept, gründlich umgesetzt und übersichtlich gestaltet. Doch es gibt mehrere „aber":

Zum einen wird die Vergleichsmöglichkeit schon dadurch eingeschränkt, dass nur vier Parteien zur Auswahl stehen – die anderen saßen schließlich nicht im Bundestag. Zum anderen kommen viele Abstimmungsergebnisse durch Kompromisse zustande, etwa im Koalitionsvertrag oder durch den „Fraktionszwang". So kommt es dazu, dass CDU und SPD immer genau die gleiche Übereinstimmung mit dem Nutzer haben, da sie als Regierungskoalition immer gemeinsam abgestimmt haben. Ob die Parteien in einer anderen Koalition genauso abgestimmt hätten, ist mehr als unwahrscheinlich. Ein echter Vergleich ist daher eigentlich nicht möglich, es sei denn, man würde noch angezeigt bekommen, was die Parteien in ihrem Wahlprogramm für die nächste Legislaturperiode versprechen. Doch diese Funktion bietet DeinWal bisher nicht.

Neben den vorgestellten, allgemeineren und themenübergreifenden Alternativen gibt es auch Plattformen, welche die Parteien anhand ganz spezifischer Themen vergleichen. Diese sind zwar eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber selbstverständlich nicht die anderweitige Recherche.

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DigitalOMat

Screenshot DigitalOMatDer DigitalOMat wurde von Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung freien Wissens e.V. in Kooperation mit anderen Vereinen und Netzwerken, wie dem Chaos Computer Club, entwickelt. Er entstand nach eigener Aussage als zusätzliche Informationsquelle vor dem Hintergrund, dass digitale Themen in den Debatten zur Wahl nur eine geringfügige Rolle spielen.
Der DigitalOMat ist leicht zu bedienen und überzeugt mit angenehmem Design. Dem Nutzer werden insgesamt 12 spezifisch-digitale Fragen gestellt, hauptsächlich zur Verwendung und Verfügung von Daten. Da nicht jeder ein Digitalexperte ist, werden jeweils erklärende Seiten verlinkt.

Die Auswertung erfolgt klassisch durch den Vergleich der prozentualen Übereinstimmung mit den Parteienaussagen. Hierbei sind alle  Parteien mit Aussicht auf Überwindung der 5%-Hürde vertreten, bis auf die AfD, welche laut Betreiber keine Antworten auf die Anfragen gegeben hat. Daneben können die Aussagen zu den jeweiligen Fragen nochmals genau eingesehen werden.

Zwar werden bestimmte Inhalte der Fragen in den Links erklärt, welche Vor-und Nachteile sich durch eine Zustimmung oder Ablehnung ergeben bekommt man jedoch erst durch den Vergleich der Parteienaussagen heraus.

Die Kooperationspartner und Ersteller des DigitalOMat sind Gesellschaften und Vereine mit bestimmten politischen Einstellungen. Bei der Formulierung einiger weniger Fragen und der Auswahl mancher Zeitungsquellen, gerade bei kontroversen Themen, wird dies (nach subjektiver Meinung des Redakteurs!) deutlich. Der DigitalOMat ist allerdings, auch laut eigener Aussagen, um Neutralität bemüht, was man ihm in den meisten Fällen auch anmerkt.

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AgrarOMat

Screenshot AgrarOMatDer AgrarOMat wird von agrarheute.com, dem Nachrichten-Onlineportal des Deutschen Landwirtschaftsverlages  zur Verfügung gestellt und bietet eine Orientierung und Wahlhilfe für all jene an, für die landwirtschaftliche Themen bei der Wahlentscheidung eine Rolle spielen. Dem Nutzer werden insgesamt 22 agrarpolitische Fragen gestellt. Die Auswertung erfolgt ebenfalls über den Vergleich der prozentualen Übereinstimmung mit den Aussagen der Parteien. Die Fragen, welche mit Zustimmung, Ablehnung oder Neutralität beantwortet werden, können anschließend in einer Übersicht mit den Statements der Parteien eingesehen werden. Fragen können wie beim WahlOMat doppelt gewichtet werden. Insgesamt ist die Bedienung sehr einfach. 

Klar wird jedoch auch, dass sich der AgrarOMat eher an ein Fachpublikum richtet. So sind die Fragen nicht nur sehr spezifisch, auch beinhalten sie zum Teil unerklärte Fachbegriffe. Wenn also die Frage gestellt wird, ob „Das Greening insgesamt viel zu kompliziert ist und völlig neu aufgestellt werden muss", weiß der Laie weder was „Greening" ist, noch hat er praktische Erfahrungen damit gemacht um es bewerten zu können.

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Science-O-mat

Screenshot ScienceOMatMit seiner Ankündigung, zahlreichen Wissenschaftlern/innen Forschungsgelder zu kürzen, hat der US-Amerikanische Präsident Donald Trump viel Kritik auf sich gezogen, beispielsweise von den Initiatoren des „March for Science". Im Nachklang des Marsches entstand der ScienceOMat. Dieser befragt deutsche Parteien zu 15 wissenschaftspolitischen Themen. Die Fragen reichen von moralischen Entscheidungen wie der Embryonenforschung, bis zur Finanzierung und Förderung verschiedener Projekte. Es sollen Aussagen zu Prozessen der Gewinnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Nutzung gemacht werden.

Design und Auswertung sind ähnlich wie beim „DigitalOMat" oder „AgrarOMat": Zustimmung, Ablehnung oder Neutralität zu den Aussagen, prozentuale Übereinstimmung mit den Parteien, versehen mit ausführlicheren Aussagen, beziehungsweise Statements der Parteien, auf deren Grundlage die Evaluation der Parteien erfolgt. Auch der „ScienceOMat" ist leicht zu bedienen und insgesamt übersichtlich. Weiterführende Artikel aus Fachzeitschriften und weiteren Stellungnahmen verschiedener wissenschaftlicher Akteure werden ebenfalls verlinkt. 

Für all jene, für die Fragen der Wissenschaft, gerade auch ethische, eine große Rolle spielen, ist der ScienceOMat also ein sehr gutes Werkzeug. Selbstverständlich sind die behandelten Aspekte zum Teil sehr kontrovers, wer ideologische Grundsatzdebatten sucht, ist hier an der falschen Stelle.

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SteuerOMat

Screenshot SteuerOMatWer sich für die finanziellen Versprechungen der Parteien interessiert, der kann den SteuerOMat testen. Dieser wurde von der smartsteuer GmbH entwickelt, ein zur Haufe-Lexware GmbH & Co. KG gehörendes Unternehmen, welches sich auf Online-Steuerberatung spezialisiert hat. Der SteuerOMat funktioniert mit maximal vier Fragen: Angabe des Jahresbruttoeinkommens, verheiratet Ja/Nein, wenn ja, Einkommen des Ehepartners und Anzahl der Kinder.

Die Website verrechnet diese Angaben mit den steuerpolitischen Aussagen der Parteien aus den Programmen und gibt anhand dessen Wahlempfehlungen ab – Wie viel Steuern würde ich sparen oder mehr zahlen müssen, wenn das Programm der Partei zu 100% umgesetzt würde?

Daneben bietet die Seite für die größeren Parteien einen allgemeinen Überblick und stellt ihre steuerpolitischen Forderungen vor. Es gibt ein Steuerglossar mit Erläuterungen zu steuerpolitischen Begriffen und einen Blog, auf welchem Fragen rund ums Thema Steuern beantwortet werden.

Die Bedienung des SteuerOMat ist  einfach, und alles in allem recht übersichtlich, auch wenn bei der Navigation auf der Seite nicht sofort ersichtlich wird, wo und welche Beiträge es gibt. Für die AfD und die Grünen funktioniert der SteuerOMat nicht, da diese in ihren Programmen zu unkonkret sind. Ob und wie das Steuerprogramm der jeweiligen Partei überhaupt finanzierbar wäre, wird nicht direkt in Frage gestellt, sondern nur in einem Blogeintrag diskutiert(Der SteuerOMat: Fünf Fragen und fünf Antworten). Im selben Blogeintrag wird auch darauf hingewiesen, dass der SteuerOMat die Entlastungen nur für die Einkommenssteuer berechnet. Ergo werden andere Steuerentlastungen, beispielsweise beim Grundstückserwerb zum Eigenheimbau, nicht berücksichtigt.

Der Nutzer ist insgesamt gut beraten, den SteuerOMat mit Vorsicht zu genießen, die Komplexität der deutschen Steuererhebung kann er kaum erfassen.

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SozialOMat:

Screenshot SozialOMatDie letzte themenspezifische Wahlhilfe in dieser Reihe kommt von der  Diakonie Deutschland. Der SozialOMat stellt dem Nutzer insgesamt zwölf Fragen zu den Themen „Familie und Kinder", „Flucht", „Pflege im Alter" und „Armut". Vor jedem neuen Themenfeld gibt es einen kleinen Einleitungstext, welcher die Signifikanz des Themas für Deutschland herausstellt und mit Hilfe von Statistiken auf bestehende Probleme aufmerksam macht. Es wird auch beim SozialOMat mit Zustimmung, Ablehnung oder Neutralität geantwortet und die Übereinstimmung mit den Parteien verglichen. Dies erfolgt insgesamt einfach und übersichtlich.

Zu jedem Themenfeld wird beispielhaft die Geschichte eines Menschen kurz vorgestellt. Diese Geschichten sind zwar fiktiv, basieren allerdings auf „Erfahrungen aus der Arbeit der Diakonie mit unterschiedlichen Menschen im Zusammenhang des Themas". Diese fiktiven Menschen haben ein spezifisches Problem, welches sich auf das jeweilige Thema bezieht.

Bei der Auswertung dann passiert Überraschendes: Nicht nur die Parteien antworten in kurzen Statements auf die Fragen, sondern auch die Diakonie selbst legt ihre Sicht der Dinge dar. Zuvor wird ausgewertet, welche Konsequenzen die persönlichen Entscheidungen auf die Schicksale in den Geschichten haben. So wird beispielsweise verdeutlicht, dass ein Flüchtling mit subsidiärem Schutz sich nicht auf den Deutschunterricht konzentrieren kann, wenn der Nutzer sich dafür ausgesprochen hat, die Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz erstmal beizubehalten. Es gibt hier keine Abwägung von verschiedenen Facetten, vielmehr hat man durch die in den Raum gestellten Geschichten das Gefühl, eine moralische Schelte bekommen zu haben.

Die grundsätzlich gute Idee, einen Wahlindikator für soziale Fragen zu entwickeln, wird dadurch eher als ein Werben für bestimmte Positionen wahrgenommen. Lediglich die Parteienstatements ermöglichen eine Abwägung von Positionen.

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Zusammenfassung:

Unsere Tests haben gezeigt, dass es zahlreiche, zum großen Teil sehr gut umgesetzte Alternativen zum WahlOMat mit Stärken und Schwächen gibt, die Wählerinnen und Wähler nutzen können. Ein Abgleich der persönlichen Ergebnisse beim WahlOMat mit denen bei den Alternativen ist durchaus empfehlenswert. Aber natürlich gilt bei allen Möglichkeiten eine Regel: Es handelt sich bei den Ergebnissen nicht um Wahlempfehlungen, vielmehr um Orientierungsmöglichkeiten. Auch können all die Anwendungen eine ausführlichere Recherche zur Meinungsbildung und schließlich Wahlentscheidung nicht ersetzen.  

Tobias Scheib (Praktikant in der Konrad-Adenauer-Stiftung)

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