Am 26. September 2021 ist die Bundestagswahl. Die Wahl selbst und die Informationen zur Wahl sollen barrierefrei sein. Deshalb haben wir barrierefreie Informationen rund um die Wahl zusammengestellt.

 

Informationen zur Bundestagswahl in Deutscher Gebärdensprache

 

Dieser Film erklärt die grundsätzlichen Dinge darüber, wie eine Wahl funktioniert. Der Deutsche Gehörlosenbund hat Wahlprüfsteine formuliert, die den Parteien vorgelegt werden.

Die Antworten werden auf der Seite des Deutschen Gehörlosenbundes veröffentlicht.

Den Film zu den Wahlprüfsteinen finden Sie hier.

 

angle-left Wie geht man mit Hasskommentaren um?
Expertenbeitrag

Wie geht man mit Hasskommentaren um?

Jede/r Community Manager/in kennt und verabscheut sie: Hasskommentare. Hasskommentare sind Akte digitaler Gewalt, die außerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit liegen und in aller Regel ohnehin schon benachteiligte gesellschaftliche Gruppen treffen. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Sexismus zählen zu den gängigsten Ausprägungen von Hasskommentaren. Hieraus wird schon ersichtlich: Die meisten Hasskommentare kommen politisch von sehr weit rechts. Wie geht man damit um, wenn Hasskommentare unter den eigenen Beiträgen gepostet werden? Eins steht fest: Ignorieren ist keine dauerhafte Lösung!

Von „Don’t feed the troll“ zu „Fight the troll!“

Während vor einigen Jahren noch die Devise „Don’t feed the troll!“ vorherrschte, heißt es mittlerweile „Fight the troll!“ Denn Umfragen zufolge beteiligen sich zwischen 33 und 47 Prozent der Nutzerinnen in Deutschland nicht (mehr) an Online-Diskussionen, weil sie Angst vor Beleidigungen haben. Das führt in einen Teufelskreis, an dessen Ende Hasskommentare in der Überzahl sind und den Eindruck erwecken, die ständigen Tabubrüche seien die Mehrheitsmeinung. Außerdem finden es zwei Drittel nicht in Ordnung, Hasskommentare zu ignorieren1. Denn Ignorieren wirkt auf Dritte wie Zustimmung. Für den konsequenten Umgang mit Hasskommentaren sind also Seitenbetreiberinnen und -betreiber zuständig – und das sollten sie ernst nehmen. Es geht bei der Replik auf Hasskommentare nicht darum, unliebsame Meinungen kleinzukriegen. Es geht auch nicht primär darum, den Autoren oder die Autorin umzustimmen, was ohnehin nur selten funktioniert. Nein, es geht zuallererst um die Durchsetzung und Gewährleistung der Meinungsfreiheit. Mit einer Replik ermutigt man diejenigen, sich weiterhin an der Debatte zu beteiligen, die vorher beleidigt worden sind oder Angst davor haben.

10 goldene Regeln für Counterspeech

Aber wie geht man bei dieser Replik am besten vor? Das No Hate Speech Movement hat dafür zehn goldene Regeln aufgestellt, die im Büro jedes Community Managers hängen sollten:

  • So schnell wie möglich reagieren, damit nicht der Eindruck steht, Hasskommentare blieben unkommentiert.
  • Trotzdem erst einmal durchatmen und überlegen, was man erreichen möchte und wie man das am geschicktesten in die Tat umsetzt.
  • Immer respektvoll, sachlich und gelassen bleiben.
  • Präzise Formulierungen und Argumente wählen, damit die Gegenrede wenig Angriffsfläche bietet.
  • Deutlich kommunizieren, dass Diskriminierung, Rassismus und jede andere Art der Menschenfeindlichkeit nicht geduldet werden. Hier kann eine eigene Netiquette hilfreich sein, auf die dann verwiesen wird.
  • Der Austausch von vier Argumenten reicht meist aus. Alles andere ist zu zeitaufwendig.
  • Konstruktive Beiträge loben und sich dafür bedanken. Das bestärkt die eigene Community und sorgt langfristig für eine gute Atmosphäre in den Kommentarspalten.
  • Konstruktive Beiträge zuerst beantworten. Im Falle eines Shitstorms sollte man die Hasskommentare nach Echtheit und Reichweite der Profile priorisieren.
  • Sollten Kommentare gegen Community-Standards der Plattformen sozialer Netzwerke verstoßen oder gar strafrechtlich relevant sein, sollte man diese beim Betreiber melden oder auch online anzeigen. Das geht zum Beispiel beim Bundeskriminalamt und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.
  • Unterschiedliche Formulierungen für die Beantwortung der Hasskommentare verwenden. So erweckt man nicht den Eindruck, man würde sich nur halbherzig ums Community Management kümmern.

Quelle

Unterschiedliche Hasskommentare erfordern unterschiedliche Antworten

Wie man auf Hasskommentare antworten sollte, hängt vom Inhalt ab. Liest man Ängste und Verunsicherung aus dem Kommentar, kann es helfen, nachzufragen und einfühlsam zu sein. So kann man es schaffen, den Ängsten die Grundlage zu entziehen. Häufig werden in Kommentaren Opfer zu Tätern gemacht, wovon besonders oft Frauen betroffen sind. Hier sollte man die Strategie der Kommentatorinnen und Kommentatoren klar benennen: Sie betreiben „Victim Blaming“. Im selben Zug sollte manzum Thema zurückführen. Das ist übrigens auch beim sogenannten „Whataboutism“, wobei häufig Opfergruppen gegeneinander ausgespielt werden, hilfreich. Auf dem Vormarsch sind die Verbreiterinnen und Verbreiter von Falschnachrichten. Hier sollte man nach Quellen fragen, seriöse Quellen entgegenstellen und Widersprüche aufdecken.

Wer sich für die Grundlagen des Community Managements interessiert, findet hier hilfreiche Tipps.

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Über den Autor

Marcel Schmidt ist Referent für Politische Kommunikation bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zuvor hat er Politische Kommunikation studiert und war stellvertretender Pressesprecher der CDU in Niedersachsen.

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