Inhalte mit dem Schlagwort ehrenamt times .

Expertenbeitrag

Grundlagen für eine funktionierende Kommunikation im Ehrenamt

Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?“lautet der Buchtitel des Philosophen und Publizisten Richard David Precht. Der Titel beschreibt aus meiner Sicht den Kern jeder Kommunikation.

Bevor Sie beginnen, sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Kommunikation für dieEhrenamtler Ihres Vereins oder Ihrer Organisation Gedanken zu machen, um damit Ihre Mitglieder vor Ort motivieren und mobilisieren zu können, brauchen Sie eine Bestandsaufnahme.

Wer ist Ihr Verein? Wie viele Mitglieder hat er? Und vor allem: Wer sind diese Mitglieder, also ihre Zielgruppe? Denn dann wird Ihnen klar, wen Sie mit Ihren Informationen erreichen können. Manchmal hilft es, sich diese ganz konkret zu skizzieren: Ist es eher Rita, Landwirtin, 63 Jahre alt? Oder Franz, Mitte 40, Hausmann und leidenschaftlicher Koch? Oder haben Sie auch eine Gruppe Jugendlicher wie Tim, 16 Jahre alt, der gerne kicken geht? DefinierenSie Ihre Zielgruppe und verschaffen Sie sich damit einen Überblick.

Wenn das einmal geklärt ist, dann können Sie jedes Thema, das Sie kommunizieren möchten, auf diese drei Fragen prüfen:

  • Wen interessiert es?
  • Ist es relevant?
  • Ist es aktuell?

Drei scheinbar einfache Fragen, die aber entscheidend sind, denn: Information ist nur, was auf der anderen Seite ankommt. Sie als Sender sollten also nur Informationen senden, die für die Ehrenamtler interessant, relevant und aktuell sind. Denn dann weckt ihre Nachricht das Interesse, dann lohnt sich die Arbeit und Ihre investierte Zeit.

Das Neueste steht am Anfang

Wenn das alles steht, geht es ans Eingemachte, an den Aufbau und die Sprache Ihrer Informationen. Ganz wichtig: Das Relevante, das Neueste steht am Anfang. Überlegen Sie sich ganz genau: Was ist die Kernbotschaft? Manchmal hilft es da, sich den journalistischen Küchenzuruf zur Hilfe zu nehmen. Die Situation ist wie folgt: Sie sitzen im Wohnzimmer vor dem Fernseher, ihr Partner steht in der Küche am Herd und es brodelt und brutzelt gleichzeitig aus vielen Töpfen. Und Sie versuchen, die wichtigste Schlagzeile der Nachrichten in einem Satz zu rufen. Sie fangen nicht an und erzählen: Du, ich schaue gerade Nachrichten, gerade zeigen sie die Lottozahlen und ich glaube, wir haben sechs Richtige. Sondern (und vermutlich würden Sie es schreien): Wir haben den Jackpot geknackt!

Ganz kurz und knapp. Alle weiteren Informationen können Sie dann erzählen, wenn Ihr Partner in das Wohnzimmer gerannt kommt. Ähnlich verhält sich auch der Aufbau der Mitteilung, die sie Ihren Ehrenamtlichen schicken: Die Kernaussage steht am Anfang – ganz kurz und knapp.

Versuchen Sie ebenso Chronologie zu vermeiden, wenn diese mit Irrelevantem beginnt und die Neuigkeit versteckt. Ihre Mitteilung braucht keinen Spannungsbogen. Grenzen Sie klar ein, was wichtig ist und lassen sie Überflüssiges weg. Schreiben Sie aktiv und vermeiden Sie Behördendeutsch. Und nehmen Sie die Perspektive des Empfängers ein, nicht des Senders. Sie haben nämlich nicht die Pflicht, es allen Clubmitgliedern (oder ihrem Vorstand) recht zu machen, sondern Ihre Aufgabe ist es, die Nachrichten möglichst gut zu übermitteln.

Ohne Social Media geht es nicht

Besonders ist die Lage bei Social Media: Mit Wortspielerei, mit aktiver Sprache, unterstützt durch Bilder, Videos oder anschauliche Grafiken machen Sie hier Ihre Informationen interessant. Das ist eine hohe Kunst und bis man hier den richtigen Flow hat, dauert es eine Zeit. Übung macht den Meister und nach links und rechts schauen kann ebenso helfen: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, denn sicherlich hat ein anderer Ortsverein oder die Gruppe im Nachbarort auch gute Ideen, die auch bei Ihren Mitgliedern funktionieren.

Ist WhatsApp das Medium, wo Sie alle Ihre Mitglieder erreichen? Dann eignet sich hier vielleicht eine Broadcast-Liste für das Versenden von Informationen. Oder doch ganz klassisch per E-Mail? Schauen Sie, auf welchem Kanal Sie die Menschen erreichen – und da gehören die Sozialen Netzwerke unbedingt dazu.

Meine These: Ohne die Sozialen Netzwerke geht auch im Bereich des Ehrenamts nichts mehr. Alleine 58 Millionen Deutsche nutzen WhatsApp täglich – das spricht schon für sich.

​​​​​​​

Die 90-9-1-Regel

Sie haben alles bedacht, nur die wichtigsten Informationen gefiltert, das schönste Bild rausgesucht und dennoch kriegen Sie kaum Rückmeldungen?

Dann denken Sie an die 90-9-1-Regel: Sie besagt, dass in Online Communities und Social Networks der Grad der Beteiligung sich in einer 90-9-1-Verteilung manifestiert. Ganze 90 Prozent der Nutzer der Sozialen Netzwerke sind stumm. Sie lesen Beiträge, schauen auf Facebook, Instagram und LinkedIn, aber sie reagieren nicht, kommentieren nicht, liken nicht und verfassen (fast) nie einen eigenen Beitrag. Nur neun Prozent dagegen würden Ihren Beitrag kommentieren, ihn weiterleiten oder auch einmal einen Daumen hoch dalassen. Und nur einer von 100, ein Prozent, gehört zu der Gruppe, die auch selbst Beiträge schreibt und postet. Und deshalb sind wenige Rückmeldungen und Likes nicht gleich ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Solange die Nachricht gut bleibt, solange Sie für Ihre Zielgruppe schreiben, werden Ihre Ehrenamtler bei Ihnen bleiben.

​​​​​

Über die Autorin

Kerstin Bücker ist Redakteurin für Digitale und Interne Kommunikation der Pressestelle des Bischöflichen Generalvikariats in Münster. Als gelernte Nachrichtenredakteurin hat sie einen Einblick in den journalistischen Alltag und kann durch ihre vielfältigen Erfahrungen im Bereich der PR auch aus dieser Perspektive berichten. Freiberuflich gibt sie – am liebsten im Tandem – (Online-)Seminare zu den Themen Social Media sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, u.a. gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. ​​​​​​​

Um einen Kommentar zu hinterlassen, melden Sie sich bitte hier an.

Inhalte mit dem Schlagwort ehrenamt times .

Empfohlene Beiträge

Expertenbeitrag
Kerstin Bücker
Erfahrungsbericht
Lilli Fischer
Interview
Ines Claus
Artikel
Marcel Schmidt
Artikel
Dr. Sandra Busch-Janser