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Expertenbeitrag

Würden Sie Ihren Lieblingskollegen mit zu einer Parteiveranstaltung nehmen?

Die Zahl an Parteimitgliedern ist bei fast allen demokratischen Parteien rückgängig. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter. In monatlichen Vorstandssitzungen werden häufig mehr Menschen verabschiedet, als Menschen in die Parteien aufgenommen werden. Dabei spielen Parteien eine zentrale Rolle in einer funktionierenden Demokratie: Die Parteien geben den politischen Diskurs vor: Sie sind der Maschinenraum der Politik. Sie entscheiden inhaltlich, wählen aus ihren Reihen Kandidaten für öffentliche Ämter und arbeiten aktiv auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene an der Zukunft unseres Landes. Sie bieten Bürgern eine Plattform, um ihre Interessen und Überzeugungen zu vertreten, und stellen einen wichtigen Mechanismus dar, um politische Entscheidungen zu treffen.

 

Es braucht nicht viele Personen, um eine Parteistruktur zu hacken und den Diskurs an sich zu reißen. Wenn sich niemand mehr in den Parteien engagiert, können wenige Menschen für viele sprechen. Das schwächt eine Demokratie. Aus diesem Grund ist es längst überfällig, dass Parteien ihre eigenen Strukturen hinterfragen:

  • Ein wichtiger Schritt sind Veranstaltungen. Auf Veranstaltungen findet Meinungsbildung statt, Menschen kommen zu einem politischen Thema zusammen, diskutieren und finden Lösungen. Doch würden Sie ihren Lieblingskollegen aktuell mit zu einer Parteiveranstaltung nehmen? In vielen Fällen ist die Antwort auf diese Frage leider: „Nein“. Veranstaltungen müssen so konzipiert sein, dass sie Spaß machen, zielführend sind und auch für Menschen außerhalb der eigenen politischen Blase einladend sind. Aus diesem Grund will Best Politics eine Art Rezeptbuch für gute politische Veranstaltungen im Internet zur Verfügung stellen.
  • Ein weiterer Aspekt ist, dass Parteien ihre Kommunikation professionalisieren müssen. In Zeiten von Influencern, Youtubern, Twitch-Streamern wird erwartet, dass auch Parteien gut, transparent und schnell kommunizieren. Dafür braucht es mehr Wissen über neue Kommunikationswege. Mehr Wissen über neue digitale Tools und Helfer, mehr Neugier, um neue Zielgruppen zu erschließen. Die Zeiten, in denen Meinungsbildung über die Lokalzeitung und eine Pressemitteilung stattgefunden hat, sind vorbei.
  • Darüber hinaus muss sich die Arbeitsweise der Parteien modernisieren. Viele Menschen erleben im Berufsleben, in der Universität oder an den Schulen moderne Arbeits- und Kollaborationsmethoden. Die Welt redet über New Work – wir müssen über New Politics sprechen. Meinungsbildung auf Basis von Design Thinking? Meetingregeln für Vorstandssitzungen? Wertschätzender Diskurs durch qualifiziertes Feedback? Es wird Zeit, dass auch Parteien von den Erkenntnissen moderner Arbeitsweisen lernen zu profitieren. Wir müssen uns die Fragen stellen, die weh tun: Warum nehmen junge Eltern häufig nicht an Sitzungen oder Veranstaltungen teil? Sind Abendformate für Berufstätige oder Schichtarbeitende immer das Richtige, oder wird es Zeit für Variation? Nur wenn sich Vorstände stetig selbst hinterfragen um besser zu werden, die vorgetrampelten Pfade verlassen, können wir neue Potentiale erschließen.

 

In einem Maschinenraum wird gearbeitet: Dort werden die Leitplanken für die Zukunft zusammengeschraubt. Es braucht viele Hände für gute Ergebnisse und es gibt genug Arbeit für mehr. Wenn wir unser Land zukunftsfähig aufstellen wollen, dann müssen sich jetzt alle ehren- und hauptamtlichen Parteimitglieder einmischen, sich stärker als zuvor hinterfragen und alle Bürger sich aktiver als zuvor in den politischen Diskurs einbringen. Demokratie kann mehr als alle vier Jahre ein Kreuz zu machen.

Es liegt an uns, uns für Parteien zu engagieren, die unsere Überzeugungen widerspiegeln und eine Zukunft gestalten, die wir uns für uns und unsere Kinder wünschen. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind vielfältig: Digitalisierung, wirtschaftliche Unsicherheit, Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit - um nur einige zu nennen. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, brauchen wir eine starke politische Kraft. Eine Kraft, die von einer breiten Basis von engagierten Bürgern geschultert wird.

Wir können dazu beitragen, indem wir uns in Parteien engagieren, Veranstaltungen besuchen, uns mit anderen Menschen austauschen und aktiv an politischen Entscheidungen teilnehmen. Wir müssen uns bewusst machen, dass es uns alle betrifft und dass jeder von uns einen Beitrag leisten kann und muss. Nur so können wir eine starke und zukunftsfähige Demokratie aufbauen. Lasst uns gemeinsam Parteien so attraktiv machen, dass wir unseren Lieblingskollegen gerne nach Feierabend zu einer Parteiveranstaltung mitnehmen.

Über die Autorin

Theresa Gröninger  ist Talent bei JoinPolitics & Gründerin von Bestpolitics. Mit ihrem Team baut Sie eine Plattform, die dabei helfen soll, Parteiarbeit zu modernisieren. Das Ziel ist gesetzt: In Zukunft sollen mehr Menschen in Parteien ein- als austreten. Praktische Erfahrung hat sie bei der CDU Bremen gemacht und dort Veranstaltungs- und Partizipationsformate entwickelt und getestet.

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