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Expertenbeitrag

4 innovative Aktionen für Bürgerkommunikation in Pandemie-Zeiten

Politikerinnen und Politiker suchen derzeit verstärkt den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern, um politische Entscheidungen zu erklären und Prozesse nachvollziehbar zu machen. Der direkte Zugang über das persönliche Gespräch ist meist am erfolgversprechendsten. Das wiederum ist in Zeiten einer grassierenden Pandemie schwierig. Welche alternativen Optionen haben Politikerinnen und Politiker also derzeit?

Klar ist, dass alle Aktionen den vor Ort geltenden Corona-Schutzverordnungen entsprechen müssen. Wer sich dem widersetzt oder auch nur nachlässig ist, wird sich zurecht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, nicht verantwortungsvoll Politik zu machen. Es braucht also neue, kreative Formate unter Einhaltung des Mindestabstands. Dafür gibt es bereits einige gute Ideen, die als Inspiration für die Bürgerkommunikation vor Ort genutzt werden können.

1. Bürgergespräch auf dem Fernseher

Im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf ist ein Kandidat kreativ geworden: Auf einem Parkplatz stellte er einen Fernseher mit Webcam auf, setzte sich vor seinen heimischen Computer und wartete auf Passanten. So bot er Bürgerinnen und Bürgern in ihrer gewohnten Umgebung – ihrem Weg in den Supermarkt – die Möglichkeit zum direkten Gespräch. Das ist weniger aufdringlich als ein mit –Parteifreundinnen und -freunden vollbesetzter Standtisch, ein sympathisches wie kreatives Angebot und eine Aktion, die ein öffentliches Echo verspricht. Aber Achtung: Bei ungewisser Wetterlage sollte ein Schirm den Fernseher schützen.

 

 

2. Info-Taschen zum Mitnehmen

Wer nicht auf analoge Informationsmaterialien verzichten möchte, sehr wohl aber auf direkten Kontakt und Hausbesuche, findet Inspiration im hessischen Kommunalwahlkampf. Hier verteilten Politikerinnen und Politiker ihre Flyer, Kugelschreiber und andere Utensilien in eindeutig als solche erkennbaren Info-Taschen ihrer Partei. Die gefüllten Beutel legten sie auf öffentlichen Treppen und an anderen wind- und wettergeschützten öffentlichen Orten aus. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger konnten einfach zugreifen und sich die Informationen mit nach Hause nehmen. Dabei sollten natürlich möglichst nachhaltige Taschen, wie beispielsweise Stoffbeutel verwendet werden. Denn wer Plastiktüten herrenlos herumstehen lässt, kann sich auf Gegenwind gefasst machen. Nicht abgeholte Taschen sollten selbstverständlich wieder eingesammelt werden. 

3. Online-Themenabende

Die fehlende Möglichkeit des direkten Kontakts verlagert die Bürgerkommunikation noch stärker als ohnehin schon ins Internet. Das wiederum birgt das Potenzial, solchen Bürgerinnen und Bürgern, die aus verschiedenen Gründen einen großen Bogen um Canvassing-Stände der Parteien machen, niedrigschwellige Angebote zum Austausch zu unterbreiten. Hierfür bieten sich in Anlehnung an Online-Sprechstunden digitale Themenabende an. Ihre drei zentralen Themen sind Bildung, Sicherheit und Mittelstand? Dann laden Sie sich spannende Gesprächspartnerinnen und -partner ein und gehen Sie live. Interessierte können ohne Anmeldung einschalten und mit Ihnen über Ihre Vorhaben für die Menschen vor Ort sprechen. Bewerben können Sie Ihre Veranstaltung nicht nur über die sozialen Netzwerke, sondern auch im Umfeld Ihrer Zielgruppen, beispielsweise mit Plakataktionen in Kindertagesstätten- und Schulnähe, in Kriminalitätshotspots. Bedienen Sie sich auch Ihrer E-Mail-Verteiler und vergessen Sie nicht, Ihrer Lokalzeitung rechtzeitig Bescheid zu geben. Wahrscheinlich sind sie dankbar für Inhalte in der ereignisarmen Zeit der Pandemie.

4. Der digitale Marktplatz: Informationsstände im Netz

Für diese Idee bietet sich eine überparteiliche Initiative an: Ein regelmäßig online stattfindender Markt, auf dem man aber kein Gemüse einkaufen, dafür aber mit den örtlichen Politikerinnen und Politkern in den Dialog treten kann. Die Idee stammt aus Freiburg und dort gibt es bereits ein fertiges Tool. Für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Kandidatinnen und Kandidaten ersetzt das den analogen Canvassing-Stand. Zudem ist eine solche Initiative und die Teilnahme der demokratischen Parteien daran ein Zeichen intakter politischer Kultur.

 

 

Eines steht fest: Die Bürgerkommunikation wird digitaler. Das verspricht auch weniger Ausgaben, beispielsweise für Raummieten, Benzinkosten oder Werbematerialien. Als Herausforderung bleibt aber, genau zu überlegen, wie man die eigenen Zielgruppen in sozialen Netzwerken erreicht. Hier kann man mit Kreativität viele Hürden überwinden. Die eingesparten finanziellen Mittel können dann für zielgerichtete politische Werbung auf den unterschiedlichen Plattformen genutzt werden.

Sie haben kreative Aktionen durchgeführt? Schreiben Sie uns gerne an politsnack@kas.de.

Über den Autor

Marcel Schmidt ist Referent für Politische Kommunikation bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zuvor hat er Politische Kommunikation studiert und war stellvertretender Pressesprecher der CDU in Niedersachsen.

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