Analyse TV-Duell

#politsnack als Audio-Podcast

 

Zusammenfassung

TV-Duell - #politsnack mit Dr. Katharina Walkling-Spieker

Mittlerweile ist der Bundestagswahlkampf in der heißen Phase angekommen. Einer der Höhepunkte war das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz am 3. September 2017. Wie haben sich die Diskutanten geschlagen, welche rhetorischen Tricks wurden angewandt und was hat die Körpersprache verraten?

Diese und weitere Fragen beantwortete uns Dr. Katharina Walkling-Spieker im #politsnack. Die studierte Sprach- und Literaturwissenschaftlerin arbeitet als freie Journalistin. Seit vielen Jahren analysiert sie TV-Duelle im In- und Ausland und hat über Personalisierungsstrategien in TV-Duellen promoviert.

Negative Campaigning

Im ersten Teil ihrer Analyse geht Frau Dr. Walkling-Spieker zunächst auf verbale Strategien ein, die von den Kandidaten im Duell verwendet wurden. Hierbei ist eines der prominentesten Beispiele das „Negative Campaigning", bei dem die Position eines der Teilnehmer durch verbale Attacken, wie zum Beispiel persönliche Angriffe oder die Unterstellung von Fehlern und Lügen, geschwächt werden soll. Diese Strategie wird meistens vom Herausforderer, in diesem Fall Martin Schulz, gegenüber dem Amtsinhaber verwendet und konnte auch im TV-Duell beobachtet werden: Als es um den Renteneintritt mit 70 oder um die Kriminalitätsrate in Deutschland ging, attackierte Schulz Merkel durch indirekte Kritikäußerungen.

Positive Selbstdarstellung

Als weitere Strategie beschreibt die Referentin die positive Selbstdarstellung, die sich oft durch einen Verweis auf die Leistungsbilanz und die politischen Erfolge äußert. Außerdem nennt Frau Dr. Walkling-Spieker positive Images wie die des starken politischen Führers und auch des volksnahen ‚kleinen Mannes‘, die schon im US-Wahlkampf weite Verwendung gefunden hatten, als Merkmale dieser Taktik. Besonders in Bezug auf die Außenpolitik findet die Expertin viele Beispiele für diese Selbstdarstellung, sowohl bei der Bundeskanzlerin als auch bei ihrem Herausforderer.

Personalisierung politischer Sachthemen

Neben den rein verbalen Strategien waren natürlich vor allem die politischen Inhalte relevant. Eine sehr beliebte Methode ist dabei, die Sachthemen mit der eigenen Person oder Mitbürgern in Verbindung zu bringen, um so Nähe zum Wähler zu erschaffen. Auch diese Strategie kann  im Duell eher mit Martin Schulz in Verbindung gebracht werden, denn laut Frau Dr. Walkling-Spieker verwendet er diese schon im gesamten Verlauf des Wahlkampfes: Sowohl im direkten Schlagabtausch mit Merkel, als auch auf seiner Website arbeitet er ähnlich wie SPD-Altkanzler Gerhard Schröder mit dem Image des ‚kleinen Mannes‘. Aber auch die Bundeskanzlerin versteht es, Emotionen einzusetzen: So erschafft sie laut der Expertin insbesondere durch den Einsatz von Umgangssprache in Bezug auf die Dieselaffäre Nähe zum Wähler.

Schlussworte der Kandidaten

In Bezug auf die Schlussworte äußert sich Frau Dr. Walkling-Spieker insbesondere gegenüber Martin Schulz kritisch: Er wirkte bemüht und gekünstelt und konnte dadurch keine wirkliche Bindung zum Wähler aufbauen. Merkel war in Bezug darauf verbal besser, jedoch hatte auch sie Probleme, weil sie nicht in die Kamera geschaut und so die Wählerschaft nicht direkt angesprochen hat, was laut der Journalistin ein fataler Fehler war.

Fazit

Schlussendlich kommt Frau Dr. Walkling-Spieker zu dem Ergebnis, dass es sowohl bei Angela Merkel als auch bei Martin Schulz noch Potenzial zur Verbesserung gab, auch ohne zu aggressiv und emotional und damit populistisch zu klingen. Als generelle Kritik und als Abschlusswort bedauert die Expertin noch einmal, dass es in dem TV-Duell zu wenig Zeit bzw. nur den einen Termin gab und somit nicht alle Themen angesprochen werden konnten.

Ansprechpartner

Daniel Feldhaus Wissenschaftlicher Mitarbeiter Tel. +49 30 26996-3665 daniel.feldhaus@kas.de