Digitale Innovationen im französischen Präsidentschaftswahlkampf

#politsnack als Audio-Podcast

 

Zusammenfassung

Dieser #politsnack behandelt die digitalen Innovationen, die sich bei der Vorwahl und der Präsidentschaftswahl in Frankreich beobachten ließen. Was sind die neuen Trends und was können wir von unseren Nachbarn im Wahlkampf lernen? Unser Referent Matthias Bunk, Verantwortlicher des KAS-Online-Lernportals adenauercampus, hat selbst in Frankreich studiert und vor Ort den ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen beobachtet.

Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem digitalen Präsidentschaftswahlkampf, der zwar in den Medien wenig Betrachtung fand, aber eindrucksvolle Neuerungen hinsichtlich der Wahlkampftechniken und der digitalen Möglichkeiten mit sich bringt.

Wahlkampftechnik: Das große Vorbild USA

Auch in Frankreich hinterlässt der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf seine Spuren. Viele Innovationen, die in den Vereinigten Staaten erstmals eingesetzt wurden, finden sich im französischen Wahlkampf wieder. Seit einigen Jahren entwickelt sich eine neue Dynamik im normalerweise sehr traditionellen französischen Wahlkampf, die Platz für viele Innovationen schafft. Außerdem arbeiteten viele der Wahlkampfexperten und -berater bereits im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und konnten somit Innovationen und Neuerungen beobachten und im jetzigen Wahlkampf implementieren.  

Datengestütztes Canvassing

Dieses Vorgehen ist ein Beispiel für eine neue Qualität des datengestützten Haustürwahlkampfs. So werden beispielsweise erfolgreiche Produkte, wie die App „Nationbuilder", durch viele Kandidaten genutzt. Aber auch neue Entwicklungen finden ihren Weg in den französischen Wahlkampf, wie die von Paul Hatte für die Vorwahl von Les Républicains entwickelte App „Knockin". Diese ist in der Lage Facebook-Likes mit geographischen Daten zu verbinden, um den Häuserwahlkampf effektiver zu gestalten.
Allgemein zeigt die Datenanalyse hinsichtlich eines gezielten Haustürwahlkampfs ein hohes Potential, aber auch Probleme beim Datenschutz.

Apps & Tools

Das Aufgreifen von Trends der modernen digitalen Kommunikation ist eine weitere Besonderheit. Insbesondere Apps, Memes und Spiele erfreuen sich hoher Beliebtheit und haben zu den Erfolgen der einzelnen Kampagnen beigetragen. Die App „Fillon2017" des Präsidentschaftskandidaten von Les Républicains integriert beispielsweise Gamification, um dem User einen Anreiz zu geben, die Ziele der App zu erfüllen. Die Kampagne von Jean-Luc Mélenchon, Kandidat der linksextremen Partei La France insoumise, wird in den Medien als der beste digitale Wahlkampf angesehen, was sich in seinen Ergebnissen bei jungen Wählern maßgeblich widerspiegelt. Nichtsdestotrotz reicht ein guter digitaler Wahlkampf noch nicht aus, um auf ihm aufbauend eine Wahl zu gewinnen.

Social Media

Hinsichtlich der Nutzung von Social Media fällt auf, dass vor allem Kandidaten mit extremen Positionen diesen Medien viel Bedeutung beimessen und Erfolge erzielen. Schließlich erlangten Kandidaten des äußeren politischen Spektrums im ersten Wahlgang nahezu 50% der Stimmen. Das Ziel der Social Media-Nutzung ist es, radikale Botschaften an den traditionellen Medien vorbei zu platzieren und zu lancieren. Das Schaffen einer „Gegenöffentlichkeit" macht es zudem einfacher Gerüchte zur Beschädigung politischer Kontrahenten zu verbreiten.

Fazit

Besonders hinsichtlich der anstehenden Bundestagswahl ist die Wichtigkeit der Eindämmung und Dekonstruktion von „Fake News" nicht zu unterschätzen. Gleichzeitig muss man sich dafür über das Entstehen, die Platzierung und Funktion dieser Falschmeldungen im Klaren sein.
Die erwähnten Tools und Apps können den Haustürwahlkampf revolutionieren, wie es bereits von den USA nach Frankreich geschehen ist.
Ein Augenmerk wird auf der Mobilisierung von jungen und politikfernen Gruppen liegen, die in Frankreich durch die Nutzung von niedrigschwelligen digitalen Angeboten wie Memes oder Apps gelungen ist.

 

Weiterführende Links

Themenportal: „Wahlen in Frankreich" auf dem Adenauer Campus

Interview mit Paul Hatte

Blogbeitrag von Matthias Bunk: #Presidentielle2017: Digitale Innovationen im französischen Präsidentschaftswahlkampf

Blogbeitrag von Ralf Güldenzopf: Wie kommt Innovation in politische Parteien und Kampagnen? Durch personellen Austausch und digitale Ökosysteme

Ansprechpartner

Daniel Feldhaus Wissenschaftlicher Mitarbeiter Tel. +49 30 26996-3665 daniel.feldhaus@kas.de