Kampagnen auf Twitter - In wenigen Schritten zum Shitstorm

#politsnack als Audio-Podcast

Zusammenfassung

Das Thema dieser Ausgabe unseres #politsnacks lautet: „Kampagnen auf Twitter - In wenigen Schritten zum Shitstorm". Als Referent zu Gast ist Ulrich Gelsen - Social-Media-Redakteur bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters. Darüber hinaus leitet Ulrich Gelsen auch Schulungen für Social Media bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Diesmal gibt er im #politsnack seine Erfahrungen im Bereich Twitter weiter und erläutert, was man beachten muss, wenn man diese Plattform für seine Kampagnenkommunikation nutzen möchte.

Knapp, schnelllebig, partizipativ und mehrdeutig: Was macht Twitter besonders – aber auch hochsensibel?

Zunächst ist es wichtig, sich über die Rahmenbedingungen auf Twitter im Klaren zu sein. Als Kurznachrichtendienst begrenzt Twitter generell die Anzahl der Zeichen einer Nachricht - man muss sich also kurz fassen. Doch genau darin kann eine Tücke liegen: Schnell kann eine aus der Not heraus gekürzte Nachricht die Botschaft verfälschen oder missverständlich sein. Daher gilt es bei Twitter, sich möglichst knapp zu fassen, die Botschaft dafür aber umso präziser zu vermitteln.

Grundsätzlich zeichnet sich Twitter zudem dadurch aus, ein sehr schnelles und schnelllebiges Medium zu sein. Alle Nutzer können sich zu jeder Zeit über parallel stattfindende Ereignisse in Echtzeit informieren, alle können theoretisch zeitgleich individuell partizipieren, Texte Grafiken oder auch Videos tweeten, diverse Meinungsbeiträge äußern und aufgreifen, und selbst just den Diskurs vorantreiben. So kann es zu einer regelrechten Reizüberflutung aufgrund der Masse an Informationen kommen – wobei nicht jeder Tweet unbedingt reale Gegebenheiten widerspiegelt. Oft handelt es sich auch nur um Vermutungen oder Fehlinformationen, die sich auf Twitter in kurzer Zeit blitzschnell verbreiten können. Welche der Infos nun auf realen Fakten beruhen und welche „Fake News" sind, lässt sich jedoch von Nutzern auf den ersten Blick nicht sofort erkennen. Dies lässt sich erst nach gründlicher Recherche verifizieren. Wichtig dabei ist immer, zu überprüfen: Ist diese Information wahr, woher kommt sie und was ist die Quelle?

Die Twitter-Nutzer: Multiplikatoren und Meinungsmacher

Man muss sich also unbedingt darüber bewusst sein, dass alles, was man schreibt, auf Twitter öffentlich ist. Auf Twitter sind Meinungsmacher unterwegs, hier diskutiert die ‚Netzelite‘ wie Politiker und Journalisten, die meist alle eine sehr starke Meinung vertreten und diese auch auf Twitter verbreiten. Doch damit nicht genug: Ursprünglich auf Twitter geführte Diskussionen werden häufig auch über die Plattform hinaus in anderen Kanälen aufgegriffen und weiter verbreitet, beispielsweise durch Journalisten, die Twitter auch als Informationsquelle für ihre Berichterstattungen und Recherchen nutzen.

Aktion und Reaktion: Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Doch was bedeutet dies alles für (politische) Kommunikation auf Twitter – insbesondere im Rahmen von Kampagnen? Das Positive zunächst vorweg: Generell ist es sehr leicht, auf Twitter schnell eine hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen: oft reicht es schon, seine Botschaft mit einem humorvollen Bild zu platzieren, um eine große Anzahl an Reaktionen auf Twitter zu generieren. Doch im Umkehrschluss erfordert diese hohe Resonanz zugleich eine hohe Sensibilität:

Auf Twitter ist keinesfalls eine ‚Einbahn-Kommunikation‘ möglich, sondern jegliche Kommunikation auf dieser Plattform erfordert zugleich eine gewisse Reaktionsfähigkeit: Es kann durchaus vorkommen, dass man auf Twitter auch Kritik erntet für Dinge, die man verbreitet – also muss man bereit sein, Widersprüche zu akzeptieren, mit Kritikern in den Dialog zu treten und sich auf Diskussionen einlassen. Hier gilt jedoch immer: Diskussionen sollten am Ende immer so ausgehen, dass beide Seiten zufrieden sind. Dies funktioniert am besten, indem man seine Kritiker ernst nimmt und zugleich ruhig und gelassen reagiert, einen respektvollen Umgangston während des gesamten Kommunikationsverlaufs wahrt und Verständnis für sein Gegenüber aufbringt.

Erst denken, dann tweeten – Klar kommunizieren und so Shitstorms vermeiden

Meinungsäußerungen können auf Twitter generell leicht auf Kritik stoßen, schnell kann es dann zu einem Shitstorm kommen. Doch insbesondere die Beiträge von Personen, die im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit sind, stehen auf Twitter natürlich unter besonderer Beobachtung – so kann es schnell passieren, dass manche Leute gewisse Aussagen dieser Personen missverstehen. Entsprechend sensibel sollte man sich vorher auch gut überlegen, welche Inhalte man auf Twitter verbreitet, wie man seine Beiträge formuliert und wie dieser Beitrag nach außen wirkt und von diversen Gruppen und Personen (insbesondere denen, die eher konträre Ansicht haben als man selbst) interpretiert werden könnte: Könnte der Tweet missverstanden werden, als Anschuldigung angesehen werden oder links- bzw. rechtsextremistisches Gedankengengut widerspiegeln? Passen Text und Bild zusammen? Und stammt die Information, die ich verbreite, tatsächlich von einer seriösen Quelle und ist verifiziert – oder handelt es sich zum jetzigen Zeitpunkt nur um Mutmaßungen? Achtung auch bei der Verwendung von Stilmitteln – Polemik und Ironie kommen nicht bei jedem gut an und lösen schneller auch einmal Kritik aus.

Tipps für die Krisenkommunikation: Fehler können passieren, entscheidend ist der Umgang damit

Doch selbst, wenn man noch so vorsichtig und wohl überlegt auf Twitter kommuniziert, so lassen sich kleine Fehler hin und wieder dennoch nicht vermeiden. Wie geht man am besten damit um? Anstatt Rechtschreibfehler heimlich zu korrigieren, oder zu versuchen, fehlerhafte Beiträge zu vertuschen, empfiehlt es sich, die problematische Situation zu erkennen, schnell zu reagieren und Fehler offen anzusprechen, sich zu entschuldigen und entsprechend klar zu stellen. In Ulrich Gelsens Worten: „Nehmen Sie sich selbst nicht allzu ernst, aber nehmen Sie andere dafür unbedingt immer ernst!"

 

Weiterführende Links:

Ulrich Gelsen auf Twitter

Die Deutsche Bahn auf Twitter:

Berliner Morgenpost auf Twitter


Die ZDF heute show auf Twitter

Ansprechpartner

Daniel Feldhaus Wissenschaftlicher Mitarbeiter Tel. +49 30 26996-3665 daniel.feldhaus@kas.de