Zukunftsherausforderungen & Querschnittsaufgaben

"Unsere Einstellung der Zukunft gegenüber muss sein: Wir sind jetzt verantwortlich für das, was in der Zukunft geschieht."

(Sir Karl Raimund Popper)

Die Beschäftigung mit den Herausforderungen der Zukunft ergibt sich aus dem staatlichen Auftrag, dass Kommunen ihre Angelegenheiten im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung mit dem Ziel verwalten, das Wohl ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zu fördern. Unsere heutige Lebenswirklichkeit ist von immer tiefergehenden Umbrüchen und immer rasanteren Entwicklungen geprägt. Neue Herausforderungen bringen neue Chancen, aber auch neue Aufgaben mit sich. Globalisierung und Digitalisierung prägen schon heute unsere Gesellschaft. Große Themen wie der demographische Wandel, Integration oder Electronic Government betreffen besonders die kommunale Ebene. Die meisten Zukunftsherausforderungen und Querschnittsaufgaben können nicht allein von einer einzelnen Person oder Fachstelle gelöst werden. Sie sind komplex und vielschichtig, sodass sie viele verschiedene Bereiche des kommunalen Handelns betreffen und von praktisch allen beteiligten Bereichen berücksichtigt werden müssen.

Modernisierung der Verwaltung

Seit Anfang der1990er Jahre streben deutsche Kommunalverwaltungen Verwaltungsmodernisierung und -vereinfachung an. Dabei wurden sie oftmals von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung und von zahlreichen Unternehmensberatungen unterstützt. Diese Verwaltungsreform und das damit einhergehende "Neue Steuerungsmodell" haben zum Ziel, ein neues Verhältnis zwischen Verwaltung und Politik zu etablieren. Die Konzepte zur Modernisierung der öffentlichen/kommunalen Verwaltung beziehen sich vorwiegend auf neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den politischen Kräften, die auf das kommunale Geschehen einwirken oder auf den Demokratiegehalt der Verwaltung. Die Veränderungen betreffen auch neue interne Formen der Aufbau- und Ablauforganisation innerhalb der Verwaltungen und die Aufwertung der Marktkräfte bei der Gestaltung des kommunalen Leistungsprofils. Stichworte wie "Entflechtung von Politik und Verwaltung", "Kunden- und Marktorientierung", "Output- statt Inputsteuerung", "dezentrale Ressourcenverantwortung", "neue Formen des Controllings", "Reform des öffentlichen Personalrechts" und "Public-Private Partnership" werden zu Orientierungspunkten von Reformen.

Herausforderungen der Verwaltung

Die heutige Verwaltung ist mit vielen komplexen Herausforderungen konfrontiert. Einerseits bleibt der hohe Kostendruck, andererseits erfordern Prozesse wie der demografische und gesellschaftliche Wandel, der technische Fortschritt und der Wunsch nach einer offenen und transparenten Verwaltung größere Anpassungen. Zugleich steht die Verwaltung heute mehr denn je unter dem Druck, die Qualität ihrer Leistungen zu erhöhen. Für die öffentliche/kommunale Verwaltung gilt, die Zielgerichtetheit und Effizienz ihrer Leistungen zu verbessern.

Das Verhältnis der Bürgerinnen und Bürger zum Staat wird auch durch die öffentliche Verwaltung geprägt. Eine gute öffentliche Verwaltung ist an den Bedürfnissen der Bürger ausgerichtet, erfüllt Gesetzgebung wirksam und dient als eine wesentliche Ressource des Gemeinwohls. Die Ziele für die Verwaltung sind Effizienz und Effektivität, Transparenz und Bürgernähe, Chancengerechtigkeit, Integration und Inklusion. (Siehe hierzu auch: Hubert Heinelt, Margit Mayer, Hrsg.: "Modernisierung der Kommunalpolitik: Neue Wege zur Ressourcenmobilisierung", Springer-Verlag, 2013.)

Herausforderungen

Globalisierung, Digitalisierung und der (aktuelle) Bevölkerungswandel in Deutschland und Europa sind für jeden spürbar. War letzteres in der Vergangenheit eher ein schleichender Prozess, vollziehen sich die Veränderungen nun rasanter in unserem Land und unserer Gesellschaft: Wir leben länger, aber es werden auch weniger Kinder geboren. Deutschland ist bereits heute eines der Länder mit der ältesten Bevölkerung weltweit. Außerdem stellt uns die hohe Zahl von Flüchtlingen vor außergewöhnliche Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Integration. Die nachstehende Animation verdeutlicht die Anzahl und Dimensionen der kommunalen Herausforderungen und Querschnittsaufgaben.

 

Quelle: adenauercampus.de

Herausforderung Frauenanteil

In Deutschland gibt es gemessen am Bevölkerungsanteil viel zu wenige Frauen im Amt einer Bürgermeisterin. Dies gilt genauso für die Kommunalpolitik im Allgemeinen. Eine Studie von 2014 der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF), die 2014 im Auftrag der „Bundesbeauftragten für die neuen Bundesländer" entstanden ist, kommt zu folgendem Ergebnis:

In der Bundes- und Landespolitik liegt der Anteil von Frauen sowohl in den Parlamenten als auch in den Führungs- und Entscheidungspositionen bei rund einem Drittel. Bei der Kommunalpolitik liegt im Bundesdurchschnitt der Anteil der Mandatsträgerinnen bei rund 26 Prozent, bei den Landrätinnen bei 9,5 Prozent und bei den Bürgermeisterinnen bei rund zehn Prozent. Bei den Oberbürgermeisterinnen ist der Anteil in den letzten Jahren sogar leicht gesunken. Nur jedes zehnte Rathaus wird von einer Frau regiert.

Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes a.D. Christian Schramm bewertet dieses Ergebnis so: „Ein höherer Frauenanteil ist nicht nur aus demokratischen Gesichtspunkten wichtig, sondern auch, weil Frauen Kompetenzen, Sichtweisen und Alltagserfahrungen in die Kommunalpolitik einbringen können, die für die Herausforderungen, vor denen die Kommunen aktuell stehen, absolut notwendig sind." (Quelle)

Um diese Herausforderung zu meistern sollte das Nominierungsverhalten kritisch reflektiert, die hohe zeitliche Belastung überprüft und das Selbstbewusstsein der Frauen gestärkt werden.

Helga Lukoschat/Jana Belschner: "Frauen führen Kommunen – Eine Untersuchung zu Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Ost und West", EAF Berlin, 2014 (PDF-Datei)

Studie "Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen" des Bundesfamilienministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.: PDF-Datei (8,2 MB), Online-Lesen oder die Kurzfassung als PDF-Datei.

Website Herausforderung "Demografischer Wandel" des Bundesministeriums für Gesundheit


Demografischer Wandel und Integration als Herausforderung und Chance

Merkmale des demografischen Wandels wie der Rückgang und die Alterung der Bevölkerung treffen in besonderem Maße auf ländliche Kommunen, jedoch auch auf Verdichtungsräume zu. Damit einher gehen eine nachlassende und veränderte Nachfrage sowie die zunehmende Auslastung privater und öffentlicher Infrastrukturen. Ebenso kann es zu wirtschaftlichen Tragfähigkeitsproblemen von Einrichtungen, Infrastrukturen und Geschäften kommen. Gleichzeitig sind rückläufige Einnahmen von ländlichen Kommunen und privaten Anbietern von Waren und Dienstleistungen zu beobachten.

Die „jungen Alten", also die wachsende Gruppe der aktiven Senioren bieten jedoch ein Potenzial, das durch Angebote für freiwilliges Engagement gesteigert werden kann. Es ist attraktiv, nach Abschluss des Erwerbslebens die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse in neue Zusammenhänge mit einer sinnstiftenden Tätigkeit einzubringen.

Die Gestaltung des Demografischen Wandels beginnt mit dem Nutzen und der Auswertung des verfügbaren Wissens der Kommunen. So können Einwohnerstatistiken, Jugendhilfe-/ Kindergartenbedarfs-/ Schulentwicklungs- und Pflegeplanung, Raum- und Gebietsentwicklungsplanung sowie Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanung wertvolle Hinweise und Entwicklungen aufzeigen.

Bürgerinnen und Bürger sollten ermuntert werden, z. B. als ehrenamtlicher Integrationshelfer aktiv zu werden. Das gegenseitige „Aufeinanderzugehen" stärkt das Gefühl der Zusammen- und Zugehörigkeit, sowohl beim einzelnen Bürger als auch bei Vereinen, Parteien und Verbänden.

Resümee

  • Begreifen Sie den demografischen Wandel als Chance für soziale, gesellschaftliche, ökonomische und politische Innovationen und Entwicklungen.
  • Stärken Sie interkommunale, regionale und überfachliche Kooperationen.
  • Relativieren Sie die Anspruchshaltung der Bevölkerung gegenüber Ihrer Kommune.
  • Fördern Sie Weiterentwicklungen in der Verwaltung, Flexibilität sowie den Abbau von Bürokratien.
     

Demografischer WandelLizenz: Creative Commons CC BY-SA 3.0

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