Medien und Populismus
Dieser Modulteil erklärt die widersprüchliche Beziehung zwischen Populismus und Medien. Er zeigt, wie Populist*innen klassische und soziale Medien nutzen, um ihre Botschaften zu verbreiten und gleichzeitig das Vertrauen in unabhängige Medien zu schwächen. Journalist*innen müssen darauf reagieren, ohne selbst unbeabsichtigt populistische Botschaften zu verstärken.
Medien als Feindbild
Populistische Bewegungen arbeiten mit einem klaren Gegnerbild, und oft sind es die Medien, die in dieser Rolle landen. Zeitungen, Nachrichtensendungen oder Radiosender werden dann als „Lügenpresse“ oder „Mainstream-Medien“ beschimpft. Ziel dieser Strategie ist es, das Vertrauen in unabhängige Berichterstattung zu zerstören. Sobald Anhänger*innen überzeugt sind, dass Journalist*innen grundsätzlich lügen, hören sie nicht mehr auf Faktenchecks oder kritische Berichte, sondern orientieren sich nur noch an der Erzählung des*r populistischen Anführer*in oder der Bewegung. Diese wird dann zur vermeintlich einzigen Wahrheit erhoben.
Die Folgen sind weitreichend. Normalerweise beziehen sich Menschen auf ähnliche Nachrichtenquellen (Zeitungen, Tagesschau, Radioberichte oder bekannte Online-Portale) und entwickeln dadurch ein gemeinsames Bild der Realität. Populistische Strategien führen jedoch dazu, dass sich ihre Anhänger*innen genau von diesen Quellen abwenden. Sie sind überzeugt, nur ihr*e Anführer*in sage die Wahrheit, während alle anderen lügen. Das macht die Gruppe unempfänglich für Kritik von außen.
Zum anderen verlieren überprüfbare Fakten ihre Bedeutung. Denn alles, was nicht in die Erzählung passt, wird sofort als Teil der angeblichen Lüge abgestempelt. Selbst wenn Journalist*innen nachweisen, dass Aussagen falsch sind, kann ein Populist einfach behaupten, die Journalist*innen selbst seien Teil einer „korrupten Elite“, die das Volk täuschen wolle. Auf diese Weise wird jede Kritik im Keim erstickt.
Populismus braucht folglich keine eigenen Beweise. Es genügt, einen Feind zu erfinden, der angeblich die Wahrheit verschleiert. Wer den Medien misstraut, lässt sich leichter von einfachen Antworten und Parolen überzeugen.
Soziale Medien: Die perfekte Bühne für Populismus
Während Populist*innen klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehsender als Feindbild darstellen, nutzen sie soziale Medien gezielt als wichtigstes Werkzeug. Dort können sie direkt mit ihrer Anhängerschaft kommunizieren – scheinbar ungefiltert und ohne kritische Nachfragen. Besonders wirksam sind dabei digitale Blasen, also geschlossene Räume in sozialen Netzwerken, in denen die gleichen Meinungen ständig wiederholt und verstärkt werden.
In sozialen Medien verbreiten sich wütende, empörende oder ängstliche Botschaften deutlich schneller als sachliche Informationen. Ein kurzer, provokanter Post oder ein empörendes Video erreicht oft Millionen, während eine komplexe Analyse kaum Beachtung und Reichweite findet. So können populistische Botschaften rasch die öffentliche Debatte dominieren.
Für Journalist*innen entsteht dadurch ein Dilemma: Sollen sie populistische Aussagen ignorieren, um ihnen keine zusätzliche Bühne zu geben? Oder sollen sie darüber berichten und damit riskieren, die extremen Ansichten weiter zu verbreiten? Gerade weil populistische Aussagen fast immer auf Empörung zielen, reicht es nicht, sie nur zu zitieren. Journalismus muss aktiv einordnen: Behauptungen dürfen nicht unkommentiert bleiben, sondern müssen überprüft und mit Fakten belegt werden. Ebenso wichtig ist es, Aussagen in einen größeren Zusammenhang zu stellen – etwa durch Fachmeinungen oder den Hinweis, ob ein politisches Versprechen überhaupt umsetzbar ist. Auch die Folgen populistischer Rhetorik müssen sichtbar gemacht werden, zum Beispiel die Gefahr, dass pauschale Abwertungen von Minderheiten das gesellschaftliche Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vergiften.
Fakten-Check oder Wut-Welle? Ein interaktives Experiment.
Wer kriegt eure Stimme?
Die Stimmung an der Schule kocht: Handyverbot, schlechtes Kantinenessen und steigende Preise. Alle sind sauer, aber wer kann was ändern? Begleitet zwei Kanditat*innen durch einen hochemotionalen Wahlkampf: Zwei Personen, zwei völlig unterschiedliche Strategien.
Beobachtet die Mechanismen. Wer überzeugt die Masse? Wer gewinnt am Ende die Macht? Und was passiert, wenn die großen Versprechen auf die Realität treffen?